Michael Helm

Lesungen vor großen Kinderaugen

Große Kinderaugen sind ein wunderbarer Dank. Applaus natürlich auch. 

In den letzten beiden Tagen haben Lesescouts der 10ten Klassen wieder vor den Leseanfänger*innen der Grundschulen vorgelesen. In den letzten Wochen haben dies auch die 9er und 8er Klassen des Lesescoutprojekts getan. Was in der langen Corona-Zeit nicht möglich gewesen war, jetzt geht es wieder. Und das ist ein Segen.

Die jeweilige Grundschulklasse wird von der Büchereileiterin, Christine Kuske, in die Gemeindebücherei in Hiddenhausen eingeladen und bekommt in wunderbarer Art eine Büchereiführung. Für viele Kinder der vielleicht erste Kontakt. Der Höhepunkt: Jungs der Olof-Palme-Gesamtschule (OPG) lesen ihnen am Ende etwas vor. 

Darauf bereiten sich die Lesescouts der OPG extra vor. Oft sind es die ersten "Bühnenerfahrungen" die sie so sammeln. Entsprechend nervös kann das machen. Was dabei rauskommt ist schon etwas Besonderes. Die Leseanfänger*innen freuen sich über die vorgelesene Geschichte. Die Jungs gehen stolz wieder ins Projekt oder in ihren Schulalltag. Es kann doch schön sein, anderen eine Freude mit dem Lesen zu machen. 

Noch dazu sind diese Grundschullesungen ein wichtiger Baustein in der Leseentwicklung der Lesescouts. Das habe ich gerade in den beiden letzten Jahren wieder feststellen müssen, als die Lesungen vor den Kindern gefehlt haben. Wir können proben, proben, proben ... Nichts geht über einen Auftritt vor solch wunderbarem Publikum. 

Als nächstes gilt es jetzt, vor den Erwachsenen zu bestehen, bei der Lesung auf der Kleinkunstbühne der OPG.

14.06.2022 | 18.30 Uhr | Kleinkunstbühne der OPG Hiddenhausen | Eintritt frei

Anna In – Teil II

von Olga Tokarczuk

Anna In – Eine Reise zu den Katakomben der Welt habe ich beendet. 

… Ein faszinierender Roman … und mich faszinieren die mythischen Gänge in die Unterwelt schon sehr lange, sei es der Gang des Odysseus in den Hades oder die Geschichten um Orpheus, … sei es der Besuch des Gilgamesch bei Uta-napischti dem einzigen Überlebenden einer von den Göttern verursachten Sintflut im mesopotamischen Epos. Letztlich sucht ja auch im Gilgamesch-Epos der Held die Unsterblichkeit und macht sich auf in die Unterwelt … 

… Das Faszinosum dieser Erzählungen beschränkt sich dabei nicht allein auf die alten Mythen …

… Inanna hingegen ist eine Göttin. Sie besucht im sumerischen Mythos ihre Zwillingsschwester Ereškigal, die Herrin des Totenreichs. Sie stirbt. Aus dem Reich der Toten kehrt niemand zurück. Inanna wird jedoch wiedererweckt und kann zurückkehren in die Welt der Lebenden … Sie bricht die Regel …

… Im Roman von Olga Tokarczuk wird Nina Šubur (Begleiterin, Freundin, Bedienstete Inannas) ihre Fürsprecherin in der Oberwelt, während die Herrin im Totenreich gefangen ist. Nina Šubur ist auch die Haupterzählerin des Romans. Es kommen noch andere Erzählerinnen vor — im Falle des Torwächters Neti, ein Erzähler, ein Wesen der Unterwelt — immer einfache Figuren, die die Hauptfiguren begleiten, ihnen zur Seite stehen, sie beobachten. Allein diese Erzählstruktur fasziniert …

… als Nina Šubur um die Rückkehr ihrer Herrin aus dem Totenreich bittet und fleht, findet sie in der männlichen Götterwelt keinen Zuspruch. Die Geschichte, die Olga Tokarczuk schreibt, ist die einer starken weiblichen Heldin. Für mich ist Nina Šubur — oder im sumerischen Mythos Ninšubur — die eigentliche Heldin dieser Geschichte. Es ist, wie es ist, wenn die Mächtigen, die Göttinnen und Götter,  Schicksal spielen wollen — es aber die schicksalsbetroffenen Menschen sind, die es leben müssen … die für die göttlichen Entscheidungen geradestehen müssen …

… Im Roman muss eine Person gefunden werden, die an Inannas Stelle — an ihrer Statt in das Totenreich zurückkehrt. Der Regelbruch der Göttin muss seinen Preis haben. Die Unterweltherrscherin Ereškigal ist da unerbittlich. Auch dann wird eine einfache Frau den eigentlichen Heldenmut aufbringen …

… stilistisch ist Anna In – Eine Reise zu den Katakomben der Welt ein wunderbares Buch … und dies weniger in seinen Handlungsschilderungen, als vielmehr in den poetischen Bildern, die beim Erzählen entstehen. Die Kraft dieser Bilder setzt nahtlos an bei den mythischen Vorbildern der sumerischen Geschichten. 

Anna In
Eine Reise zu den Katakomben der Welt

von Olga Tokarczuk
Roman, aus dem Polnischen übersetzt von Lisa Palmes
Kampa Verlag, 2022

mh

Anna In

von Olga Tokarczuk

… Dafür sind gute Buchhandlungen da, nicht wahr? … Sie geben mir dort in die Hände, was passt, … zu dem passt, was ich just gelesen habe … das weiß mein Buchhändler selbstverständlich, oder? … Er weiß es wirklich … 

… er kennt meine Vorliebe für die alte mesopotamische Zivilisation … für Gilgamesch und Enkidu … also drückte er mit Anna In in die Hand. Ich kenne Olga Tokarczuk, die polnische Nobelpreisträgerin, obwohl ich bisher nichts von ihr gelesen habe. Anna In ist das Buch von ihr, das in aktueller Übersetzung ins Deutsche vorliegt … Ich bleibe stutzig! Bis er mich auf den Dreher im Titel aufmerksam macht. Anna In – Inanna. Da fällt der Groschen … Sie ist die sumerische Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Mondes und auch des Krieges. Die Göttin steigt in die Unterwelt, um dort ihre Schwester Ereschkigal zu besuchen … 

… Die Unterweltmythen erzählen normalerweise davon, dass niemand zurückkehrt, der ins Reich der Toten gelangt ist. Das droht auch Anna In / Inanna … Der Klappentext bringt Klarheit. „Eine Reise zu den Katakomben der Welt“. Erschienen, wie alle Werke der polnischen Schriftstellerin, im Kampa-Verlag. Die Autorin nimmt sich eines weiteren bedeutenden Mythos´ Uruks neben Gilgamesch an, des Inanna-Mythos´.

… Mythen erzählen von den uralten Fragen der Menschheit, nach Sterblichkeit und Unsterblichkeit, nach dem Sinn unserer Existenz … das bewegte die Sumerer damals, das bewegt die Menschen noch heute … 

… Tokarczuk nimmt sich des uralten Stoffes an und erzählt den Mythos auf faszinierende Weise neu … ich habe erst die ersten Kapitel gelesen, aber das hat mich hineingezogen … auch Gilgamesch reiste in die Unterwelt zu Ereschkigal … aber hier bei Tokarczuks Inanna wird ein Mythos auf einzigartige Weise neu gestaltet. Wirkmächtige, poetische Bilder entstehen beim Lesen. Dunkle Gänge und modernde Hallen, vermoost und aus rostigem Metall … über der Erde lesen die Menschen Zeitung, sie haben Strom und fahren in futuristischen Fahrstühlen … die Gärten hängen wie Weltwunder vom Himmel … dennoch geht der Reiz des Alten nicht verloren … die Zeiten wirken wie verflochten ineinander … die Sprache schafft eine zeitlose Welt … das macht viel Lust auf mehr … ich bin sehr gespannt wie es weitergeht …

mh

Das Gilgamesch-Epos nahegebracht

Eine Besprechung der Musikalischen Lesung vom 08. Mai 2022 in der Stadtbibliothek Herford von Dorothee Glück.
Manch einer mag vom Gilgamesch-Epos gehört haben. Die wenigsten haben diesen fast 4000 Jahre alten Text gelesen – zu fremd, zu weit weg. Vor den Ohren der Zuhörer von Michael Helms Lesung des Epos am Sonntagmorgen in der Stadtbibliothek mit der musikalischen Begleitung von Eren Aksahin und Stefan Kallmer entstand ein wunderbar klares Bild der Geschichte des starken Königs von Uruk im Zweistromland. Um die Macht, die Willkür und die Ausbeutung seiner Untertanen einzuschränken, schaffen die Götter einen Widerpart zu Gilgamesch, den ebenso starken Enkidu. Nach einem Kampf werden die beiden Freunde und bestehen ein großes Abenteuer. Sie bleiben Freunde bis zu Enkidus Fiebertod. 
Michael Helm las das Epos bis zu diesem Punkt. Die Grundlage seiner Lesung war eine gute Übertragung des Textes, den er zum besseren Verständnis leicht bearbeitet hatte. Bei der Rezitation zeigte er sein ganzes stimmliches Können. Je nach Situation und Sprecher las er langsamer oder schneller, wurde seine Stimme lauter, leiser, nachdrücklich oder beiläufig. 
Ganz wesentlich trugen die beiden Musiker zur Wirkung bei. Eren Aksahin, der auch Passagen der Musik komponiert hat, spielte auf drei verschiedenen orientalischen Lauteninstrumenten und der Gitarre. Mit Stefan Kallmer an der Klarinette und Bassklarinette ergaben sich großartige Klangbilder. Die beiden hatten sich mit ihrer an die anatolische Tradition anlehnenden Musik hervorragend auf den Text eingestellt. Sie untermalten mal dissonant, mal harmonisch die Charaktere bzw. das Geschehen der Erzählung. 
Es war ein Genuss, allen dreien zuzuhören. Das Publikum bedankte sich dafür mit starkem, langanhaltendem Applaus. 
Wünschenswert wäre eine Fortsetzung der Rezitation mit dem zweiten Teil des Gilgamesch-Epos in dieser Besetzung. 

Dorothee Glück

Immer wieder gefragt

Kann man von der Kunst leben?
Ja,
weil sie wie der Sauerstoff in der Luft ist.

Nein,
weil noch niemand für den Sauerstoff zum Atmen bezahlt hat.
Er ist einfach da.

Lesung der Lesescouts in Hiddenhausen

Mancher Text hängt uns sichtlich etwas weit zu den Ohren heraus. Man kann ziehen und ziehen, er nimmt einfach keine Ende. Aber das gehört vor einem Auftritt nun einmal dazu. Bald ist es geschafft!
Die Lesescouts der OPG (Olof-Palme-Gesamtschule) in Hiddenhausen bereiten sich gerade sehr intensiv auf auf ihre Abschlusslesung vor den Sommerferien vor. Und spätestens dann sind alle Ohrwürmer vergessen. Dann muss raus, woran wir ein Jahr gearbeitet haben. Die Anstrengung steigt. Toi. Toi. Toi.

Und wir freuen uns natürlich auf das Publikum!

14.06.2022 | 18.30 Uhr | Kleinkunstbühne der OPG Hiddenhausen | Eintritt frei

Herforder AutorInnen in Spenge

Ich freue mich, dass wir wieder zusammen auf der Bühne stehen werden. "Bitte warten ..." - Vielleicht haben Sie ja den ein oder anderen Auftritt von uns während der Pandemie herbeigesehnt und mussten lange darauf warten. Was das Warten ausmacht, wie unterschiedlich das Empfinden vergehender Zeit ist, das alles könnte Sie erwarten.
Die Herforder AutorInnen-Gruppe liest über Zeit, Eile und Langsamkeit. Ihr aktuelles Programm kombiniert Humorvolles, Kritisches, Herausforderndes und Emotionales. 

14.05.22 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge | Infos

Die Künstler danken!

Es waren anstrengende Zeiten für die Kunst. Doch gestern waren wir wieder ganz versunken in unserem Element. Zum zweiten Mal Gilgamesch, in der Zusammensetzung: Stefan Kallmer (Klarinette, Toneffekte), Eren Aksahin (Oud und andere Zupfinstrumente, Klangeffekte, Gesang) und der Rezitator selbst. Gestern Morgen zur Matinee in der Stadtbibliothek in Herford. 

Es war ein tolles Publikum; langanhaltender Applaus, tolle Gespräche in der Pause. Die Atmosphäre ließ mich in einen Text eindringen, der uralt ist und uns dennoch nahegeht. Danke den Veranstalterinnen, dass das möglich war. Danke dem Publikum, das uns seine Begeisterung schenkte. 

Danke euch!
Michael Helm

Muttertag in der Stadtbibliothek Herford

Gilgamesch
Aus dem großen mesopotamischen Epos
Musikalische Lesung mit
Stefan Kallmer & Eren Aksahin
Rezitation Michael Helm

08.05.2022 | Stadtbibliothek Herford | 11 Uhr | Infos

Lesung in der Bücherei in Spenge

Am Donnerstag ist es wieder soweit. Die nächste Lesung in der Bücherei in Spenge. Ich lese den amerikanischen Autor Stephen Crane. Von Hemingway und vielen anderen amerikanischen Autoren verehrt, gehört er in Deutschland immer noch zu den Geheimtips. Jetzt hat der Pendragon-Verlag in Bielefeld neue Übersetzungen Cranes veröffentlicht. Nicht nur dies ist ein Grund sich des außergewöhnlichen Schriftstellers und Reporters anzunehmen. 

Ich schätze den Autor bereits seit vielen Jahren. Einige seiner Erzählungen sind Weltliteratur. Im Fokus der Lesung Die tristen Tage von Coney Island wird vor allem eine seiner besten Erzählungen stehen: Das offene Boot. 

Vier Männer geraten in einem kleinen Boot in Seenot. Vor der Küste haben sie das rettende Ufer vor Augen. Doch Wetter und Strömung verurteilen ihre Rettungsversuche immer wieder zum Scheitern. Vier Menschen in einem Boot, an der Grenze des Lebens, in höchster Not. Das ist eine Situation, wie sie Crane selbst erlebt hat. Wie kein anderer kann er darüber schreiben.

28.04.22 | Stadtbücherei Spenge |  19.30 Uhr | Infos

Aus dem Block …

Anna In – Teil II

von Olga Tokarczuk

Anna In – Eine Reise zu den Katakomben der Welt habe ich beendet. 

… Ein faszinierender Roman … und mich faszinieren die mythischen Gänge in die Unterwelt schon sehr lange, sei es der Gang des Odysseus in den Hades oder die Geschichten um Orpheus, … sei es der Besuch des Gilgamesch bei Uta-napischti dem einzigen Überlebenden einer von den Göttern verursachten Sintflut im mesopotamischen Epos. Letztlich sucht ja auch im Gilgamesch-Epos der Held die Unsterblichkeit und macht sich auf in die Unterwelt … 

… Das Faszinosum dieser Erzählungen beschränkt sich dabei nicht allein auf die alten Mythen …

… Inanna hingegen ist eine Göttin. Sie besucht im sumerischen Mythos ihre Zwillingsschwester Ereškigal, die Herrin des Totenreichs. Sie stirbt. Aus dem Reich der Toten kehrt niemand zurück. Inanna wird jedoch wiedererweckt und kann zurückkehren in die Welt der Lebenden … Sie bricht die Regel …

… Im Roman von Olga Tokarczuk wird Nina Šubur (Begleiterin, Freundin, Bedienstete Inannas) ihre Fürsprecherin in der Oberwelt, während die Herrin im Totenreich gefangen ist. Nina Šubur ist auch die Haupterzählerin des Romans. Es kommen noch andere Erzählerinnen vor — im Falle des Torwächters Neti, ein Erzähler, ein Wesen der Unterwelt — immer einfache Figuren, die die Hauptfiguren begleiten, ihnen zur Seite stehen, sie beobachten. Allein diese Erzählstruktur fasziniert …

… als Nina Šubur um die Rückkehr ihrer Herrin aus dem Totenreich bittet und fleht, findet sie in der männlichen Götterwelt keinen Zuspruch. Die Geschichte, die Olga Tokarczuk schreibt, ist die einer starken weiblichen Heldin. Für mich ist Nina Šubur — oder im sumerischen Mythos Ninšubur — die eigentliche Heldin dieser Geschichte. Es ist, wie es ist, wenn die Mächtigen, die Göttinnen und Götter,  Schicksal spielen wollen — es aber die schicksalsbetroffenen Menschen sind, die es leben müssen … die für die göttlichen Entscheidungen geradestehen müssen …

… Im Roman muss eine Person gefunden werden, die an Inannas Stelle — an ihrer Statt in das Totenreich zurückkehrt. Der Regelbruch der Göttin muss seinen Preis haben. Die Unterweltherrscherin Ereškigal ist da unerbittlich. Auch dann wird eine einfache Frau den eigentlichen Heldenmut aufbringen …

… stilistisch ist Anna In – Eine Reise zu den Katakomben der Welt ein wunderbares Buch … und dies weniger in seinen Handlungsschilderungen, als vielmehr in den poetischen Bildern, die beim Erzählen entstehen. Die Kraft dieser Bilder setzt nahtlos an bei den mythischen Vorbildern der sumerischen Geschichten. 

Anna In
Eine Reise zu den Katakomben der Welt

von Olga Tokarczuk
Roman, aus dem Polnischen übersetzt von Lisa Palmes
Kampa Verlag, 2022

mh

Anna In

von Olga Tokarczuk

… Dafür sind gute Buchhandlungen da, nicht wahr? … Sie geben mir dort in die Hände, was passt, … zu dem passt, was ich just gelesen habe … das weiß mein Buchhändler selbstverständlich, oder? … Er weiß es wirklich … 

… er kennt meine Vorliebe für die alte mesopotamische Zivilisation … für Gilgamesch und Enkidu … also drückte er mit Anna In in die Hand. Ich kenne Olga Tokarczuk, die polnische Nobelpreisträgerin, obwohl ich bisher nichts von ihr gelesen habe. Anna In ist das Buch von ihr, das in aktueller Übersetzung ins Deutsche vorliegt … Ich bleibe stutzig! Bis er mich auf den Dreher im Titel aufmerksam macht. Anna In – Inanna. Da fällt der Groschen … Sie ist die sumerische Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Mondes und auch des Krieges. Die Göttin steigt in die Unterwelt, um dort ihre Schwester Ereschkigal zu besuchen … 

… Die Unterweltmythen erzählen normalerweise davon, dass niemand zurückkehrt, der ins Reich der Toten gelangt ist. Das droht auch Anna In / Inanna … Der Klappentext bringt Klarheit. „Eine Reise zu den Katakomben der Welt“. Erschienen, wie alle Werke der polnischen Schriftstellerin, im Kampa-Verlag. Die Autorin nimmt sich eines weiteren bedeutenden Mythos´ Uruks neben Gilgamesch an, des Inanna-Mythos´.

… Mythen erzählen von den uralten Fragen der Menschheit, nach Sterblichkeit und Unsterblichkeit, nach dem Sinn unserer Existenz … das bewegte die Sumerer damals, das bewegt die Menschen noch heute … 

… Tokarczuk nimmt sich des uralten Stoffes an und erzählt den Mythos auf faszinierende Weise neu … ich habe erst die ersten Kapitel gelesen, aber das hat mich hineingezogen … auch Gilgamesch reiste in die Unterwelt zu Ereschkigal … aber hier bei Tokarczuks Inanna wird ein Mythos auf einzigartige Weise neu gestaltet. Wirkmächtige, poetische Bilder entstehen beim Lesen. Dunkle Gänge und modernde Hallen, vermoost und aus rostigem Metall … über der Erde lesen die Menschen Zeitung, sie haben Strom und fahren in futuristischen Fahrstühlen … die Gärten hängen wie Weltwunder vom Himmel … dennoch geht der Reiz des Alten nicht verloren … die Zeiten wirken wie verflochten ineinander … die Sprache schafft eine zeitlose Welt … das macht viel Lust auf mehr … ich bin sehr gespannt wie es weitergeht …

mh