Michael Helm

Weitere Absagen und Verschiebungen

vom 06. November 2020

Die Matinee in Herford (Stadtbibliothek, 22.11.20) entfällt. Die Lesung in Enger (Gerbereimuseum, 17.11.20) wird um ein Jahr verschoben. Es tut mir sehr leid, aber bis zum Ende des Jahres stehen jetzt keine Lesungen mehr auf dem Programm. Obwohl die Konzepte sicherlich gut überlegt waren, sind Lesungen im Augenblick weder erlaubt noch sinnvoll.

Bitte bleiben Sie mir hier auf der Webseite gewogen. Wöchentlich gibt es Hör- und Lesbares. Natürlich halte ich Sie auch über die Ideen für neue Projekte und Formate auf dem Laufenden. Es ist eine Zeit der Veränderung, das gilt besonders für die Kunst. Ich habe einige Ideen, was davon sinnvoll ist und realisierbar, wird sich zeigen. Ich freue mich darauf, manches vielleicht einfach einmal ganz anders zu denken. Seien Sie gespannt …

Bleiben Sie gesund. Wir sehen uns …
Ihr Michael Helm

Auf der Suche

vom 30. Oktober 2020

Freitags auf dem Block

Als Schüler wusste ich, ein gutes Buch würde ich im Regal einer guten Buchhandlung finden. 

Dann lernte ich, dass ein gutes Buch aus wirtschaftlichen Gründen nicht im Regal der Buchhandlung stehen könne, dass es aber innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden bestellbar sei. Super.

Später lernte ich dann die Verlagsbestellung guter Bücher kennen, auf die ich ein bis zwei Wochen warten müsse.

Heute finde ich ein gutes Buch im Verzeichnis der Antiquariate; mit der Hilfe digitaler Technik ist es nicht schwierig, es zu finden. 

Wo werden ich ein gutes Buch morgen aufstöbern? Vielleicht in einem zerschlissenen Regal meines längst leerstehenden Hauses? 

mh

Absagen & Verschiebungen

vom 28. Oktober 2020

Die steigenden Infektionszahlen machen es wieder unmöglich.

Stadtbüberei Spenge
Die Lesung zu Milena Jesenská wird auf den 02.10.2021 verschoben. Wir hoffen, uns dann wieder unter anderen Bedingungen in Spenge sehen zu können. Ansonsten steht das Programm für 2021 dort. Zumindest was wir planen in Frühjahr und Herbst, wird hier in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Buchhandlung Herdecke
Die Mark Twain-Lesung entfällt vorerst. Wir bemühen uns, die Veranstaltung nachzuholen, sollte sich die Lage wieder bessern – wann auch immer – wie auch immer – wo auch immer.

In den nächsten Tagen erhalten Sie weitere Infos zu den Lesungen, die noch ausstehen in diesem Jahr. Mein Optimismus hält sich allerdings in Grenzen.

Bleiben Sie daher geduldig und vor allem gesund!
Ihr Michael Helm

Kurze kreative Pause

vom 16. Oktober 2020

Auf dem Block lege ich bis zum 25.10. eine kurze kreative Pause ein.

Wie es mit den Lesungen im November aussieht, werde ich aus aktuellem Anlass immer wieder gefragt. Ich würde gerne irgendetwas mitteilen, kann es aber nicht.

Die angekündigten Veranstaltungen finden Sie unter Lesungen. Informieren Sie sich hier auf der Seite oder bei den Veranstaltern kurz vorher über das Stattfinden. Prognosen zu geben ist unmöglich. Wir müssen von Tag zu Tag denken.

Bleiben Sie gesund und denken Sie an Ihre Mitmenschen.
Ihr Michael Helm

Literatur beim Abtrocknen

vom 25. September 2020

Freitags auf dem Block

Am 10. September 2000 war sie, die erste Lesung in der Stadtbücherei Spenge. „Literatur zum Schmunzeln“. Fragen Sie mich nicht, wie wenig Leute damals zur Lesung gekommen sind. 

Die Lesungen „Zwischen den Zeilen“ in der Stadtbücherei Spenge gibt es 2020 seit zwanzig Jahren. Ein Grund zu Feiern und sich zu erinnern. In einer kleinen Serie möchte ich hier an ein paar besondere Augenblicke zurückdenken.

Ich erinnere mich aber an die alte Bücherei. Nicht einmal das Gebäude existiert heute noch. Die Regale mussten zur Seite geschoben werden, Stühle getragen und aufgestellt und alles musste vorbereitet sein, um auch Sekt, Saft & Co. zu reichen. Ich wollte ja nicht nur lesen, sondern auch nett mit den Gästen über Literatur plaudern. Die Gläser transportierten wir jedesmal vor der Lesung in die Bücherei und im Anschluss wurden sie in einer gemeinsamen Aktion in der kleinen Küche wieder abgespült. Es waren nette literarische Gespräche beim Abtrocknen, an die ich mich gerne erinnere. Der Nachklang zur Lesung in der Küche des Bürgerzentrums.

Jubiläumslesung | 20 Jahre „Zwischen den Zeilen“
Musikalische Lesung mit Stefan Kallmer (Klarinette, Saxophon, E-Piano, Gesang); Texte aus 20 Jahren mit Michael Helm
30.09.2020 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge | Infos

Überhaupt ist es Frau Rickert – der damaligen Leiterin der Bücherei – zu verdanken, dass es die Lesungen immer wieder gab. Was in Düsseldorf allsonntäglich funktionierte, musste sich in Spenge ja erst einmal rumsprechen. Erst gab es drei Lesungen im Halbjahr, später wurden es vier im Jahr. Den Sonntag als Veranstaltungstag haben wir in Spenge schnell wieder aufgegeben. Zu groß die Konkurrenz des heimischen Gartens. 

Nach der ersten Lesung sagte Frau Rickert dann mitleidsvoll zu mir: „Es hat den Leuten gefallen …, wirklich.“
Ich stutzte. 
„Sie zeigen es ja nicht so, die Ostwestfalen, aber glauben Sie mir. Die fanden das richtig gut … Das ist nicht Düsseldorf.“
Dabei musste sie selbst lachen. 

Sie hatte das sicherlich nicht zum ersten Mal zu einem Künstler aus der Fremde gesagt. Und Düsseldorf kam mir damals schon wirklich ziemlich weit und fremd vor, obwohl ich noch immer wöchentlich mit Rolf Fuchs auf der Bolkerstraße im Heinrich Heine-Geburtshaus auftrat. So manche Lesung mit identischem Text hätte an den beiden Orten unterschiedlicher nicht aufgenommen werden können. An der Bolkerstraße Schenkelklopfen, in Spenge ein herzlich-heimliches Schmunzeln.

Es war das erste Mal, dass ich ahnte, wo ich hingezogen war: nach Ostwestfalen, an den Teutoburger Wald. Aber den hatte doch schließlich Heinrich Heine schon in seinem Wintermärchen besungen, wenn der auch nicht gerade gut weggekommen war. Aber das gilt ja auch für Köln, Göttingen, Hamburg, etc. Das muss noch nichts heißen, dachte ich mir. 

Frau Rickert hatte Geduld mit mir und recht dazu. Denn die Leute kamen wieder. Und es wurden mehr. Wir zogen im damaligen Bürgerzentrum in den kleinen Veranstaltungsraum um. Der Raum lag neben dem Saal und hatte den Charme eines Konferenzraums. Aber immer wieder bekamen wir zu hören, wie nett wir den hergerichtet hätten. Manche erkannten ihn gar nicht wieder. Selbst eine Schultafel hätte ich nutzen können, wenn ich gewollt hätte. (Beamer gab es da ja noch nicht!)

Ein Teil meines Herzens ist ostwestfälisch geblieben

Ich weiß gar nicht, was ich ohne die Ausdauer und Freundlichkeit des damaligen Teams gemacht hätte. In Ostwestfalen habe ich gelernt, was es bedeutet, beharrlich zu sein. Manch einer nickte mir erst verstohlen grüßend zu, als er mich zehn Jahre lang kannte und ich schon auf gepackten Koffern ins Ruhrgebiet saß. 
„Wie, Sie ziehen fort? Warum denn?“, fragte er dann. 
Ich tröstete: „Die Lesungen bleiben Ihnen doch weiterhin erhalten.“ 

Es kamen dann Leute, die ich vorher nie bei den Veranstaltungen gesehen hatte. Selbst Engeraner, Herforder und Bielefelder überschritten mittlerweile die Stadtgrenzen. Und ich reiste für jede Lesung aus Herdecke an. Die waren jetzt im schmucken Neubau der Bücherei. Und da hörte ich eines Tages den Satz: 

„Schön, dass Sie unsere Lesungen hier weitermachen. Sie sind schließlich auch ein Ostwestfale, ein Spengeraner.“

Ich konnte den Herzen der Ostwestfalen nicht mehr entkommen. Und sie haben ja recht. Ein Teil meines Herzens ist ostwestfälisch geblieben, bis heute. Da soll Heine nur mal kommen …

Michael Helm

Jubiläumslesung

vom 23. September 2020

Am 30.09.20 ist die große Geburtstagslesung in der Stadtbücherei Spenge. 20 Jahre „Zwischen den Zeilen“ müssen gefeiert werden. Nach allen Regeln in Corona-Zeiten, aber gefeiert. Mit an meiner Seite wird Stefan Kallmer (Klarinette, Saxophon, E-Piano, Gesang) sein. Und es wird eine Überraschungslesung mit Texten aus 20 Jahren Lesungen in Spenge.

20 Jahre „Zwischen den Zeilen“
Stadtbücherei Spenge | 30.09.20 | 19.30 Uhr
Karten gibt es unter 05225 6322 und nur im Vorverkauf!

Ein kleines, angenehmes Café

vom 18. September 2020

Freitags auf dem Block

Viele kleine Augenblicke begeistern mich in einer Landschaft, die dem Licht entspringt. Die Farben, die Kontraste zwischen ihrem kräftigen Erscheinen und der mittäglichen Bleichheit, dem alles überstrahlenden Weiß, dem lebendigen Pulsieren und dem schattigen gedämpft sein. 

Die Farben der Häuser sind die Farben der Erde. Es sind durcheinandergewürfelte, kleine Dörfer, die an einer sich durch die Landschaft schlängelnden Landstraße auftauchen. Von fern sehen sie aus, als hätte man einige Ockerwürfel behutsam in Händen gehalten und dann auf einen Hügel, in ein kleines Tal oder über ein Stück sandige Erde ausgestreut.

Auf einer solchen Landstraße erreichen wir Ménerbes, das sich über einen Hügel erstreckt. Picasso hatte dort ein Atelier. Die Gassen sind leer und weder Autos noch Menschen sind zu sehen. Zwischen den Gassen liegt Schatten. Selbst mittags findet man an einer Hauswand ein kühles Fleckchen, in dem man sich verkriechen kann.  

Grüne Tupfer an den Wänden.

Wir besuchen ein kleines Café. Vor dem Eingang stehen zwei Stühle um einen kleinen Tisch herum. Niemand hier. Als säßen sie sich stumm gegenüber und betrachteten still die leere Dorfgasse. Sie schweigen wie zwei ältere Herren. 

Wir treten ein. Leute sitzen, lesen Zeitung und trinken Café. Die großen Fenster sind weit geöffnet und geben den Blick über das grüne Tal frei. Um zehn Uhr morgens ist die Luft mild und angenehm. Das Reden der Gäste, das Rascheln der Zeitungen und der Duft des Cafés. Ich lasse mich auf einem Stuhl nieder. Strecke meine Beine aus und sehe hinaus. Ohne etwas zu sagen. 

Als der Maître des Hauses kommt, bestellen wir unseren Café Crème. Wir genießen die Stunden. Sitzen, schweigen, denken nach, lesen Camus. Hochzeit des Lichts. Noch einen Café Crème. Gedanken. 

Später wollen wir nach Loumarin weiter, das Grab Camus´ besuchen, auf dem Markt schlendern, erneut in einem Café sitzen. Aber das kann warten. 

Michael Helm

Über die Zeit …

vom 15. September 2020

Die erste Matinee nach dem Lock Down in Herford. Ich freue mich darauf und habe ein Thema ausgesucht, das gerade gut in unsere Zeit passt: Haben wir in den letzten Monaten nicht über die neue Langsamkeit in unserem Leben nachgedacht? Alles schien stillzustehen. Jetzt rast der Alltag wieder schneller denn je. Die Zeit und wie wir sie empfinden ist zentral in unserem Leben und Denken.

Also, wer Lust hat, seine Zeit mit Literatur zu vertrödeln, ist willkommen …
20.09.20 | Stadtbibliothek Herford | 11 Uhr | Infos

Abkühlung

vom 11. September 2020

Fotografische Biografie

Ein wenig Abkühlung könnte mit jetzt guttun.

In C-Zeiten ist vieles anstrengender. Lesungen (hurra, es gibt sie wieder!) ohne Pause, puhhh!!! Jede Routine auf dem Prüfstand, so vieles, das im Detail geprüft und im Zweifel doch anders gemacht werden muss. Vom „Wie begrüße ich meine Gäste?“ bis zum durchorganisierten WC-Gang. Und immer ist da die noch nicht völlig eingeschliffene Routine: Wo ist eigentlich meine Maske? Das wird sich ändern, ich weiß. Mensch gewöhnt sich an fast allem, sacht mein Nachbar.

Nach den ersten Lesungen und Projekten hänge ich durch. Konditionell, geistig und moralisch. Sehnsucht nach einer obigen Ansicht. Kühlung könnte ein schöner Winterspaziergang verschaffen. Aufatmen, durchatmen, einmal richtig runterkühlen. Doch erstens ist nicht die Jahreszeit dafür und zweitens plagt gleich die nächste Sorge, die einer Kühlung bedürfte. Werde ich solche Fotos auf meinen Spaziergängen vor der Haustür überhaupt je wieder machen können? Das Foto ist schon etwas älter.

Über politische Fragen will ich hier gar nicht länger nachgrübeln. Da bräuchten ein paar Zeitgenossen ganze Kuren unter Null Grad. (Kann man so etwas eigentlich verordnen?) Aber lassen wird das. Bevor ich wieder heißlaufe. Cool down, sage ich mir.

mh

Auf ein Wort

vom 04. September 2020

»Es kommt für jeden der Augenblick der Wahl und der Entscheidung: Ob er sein eigenes Leben führen will, ein höchst persönliches Leben in tiefster Fülle, oder ob er sich zu jenem falschen, seichten, erniedrigenden Dasein entschließen soll, das die Heuchelei der Welt von ihm begehrt.«

Oscar Wilde