Michael Helm

Lesungen erwachen aus dem Dornröschenschlaf …

Die Webseite erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf!
Der Schlaf war zu lang und ich hoffe, nicht wieder einzunicken. Aber es besteht immerhin die Hoffnung …

In Planung sind zwei Open-Air-Lesungen mit Musik in Herford und Spenge. Geplant sind die Herbstlesungen in der Stadtbücherei Spenge. Geplant sind die Matineen in der Stadtbibliothek in Herford. Auch in Herdecke wird gesprochen und geplant.

Hurra! Die Kultur wird wieder wachgeküsst!

mh

Nacht der Bibliotheken

Heute ist die „Nacht der Bibliotheken“, auch in Spenge. Ich hätte dort heute Abend Kurt Tucholsky gelesen. In C-Zeiten natürlich nicht live.

Dabei hatte ich im Dezember noch gehofft: Im März könnte doch wieder etwas gehen, vielleicht im kleinen Rahmen, vielleicht mit wenig Publikum, hinter Masken und Plexiglaswänden, oder doch ohne Gäste? Jetzt findet die Lesung auch ohne Rezitator statt. Der sitzt, wie Sie, zu Hause und liest sich selbst etwas vor.

Dafür hat die fb-Seite der „Stadt Spenge – Kultur und Stadtmarketing“ einen kleinen Auszug, einen Tucholsky-Schnipsel von mir online gestellt. (Danke dafür an Spenge und die Bücherei.)

Das Thema der Nacht der Bibliotheken ist „Einmischen“. Und Tucholsky hat sich eingemischt und würde es auch heute noch tun. Aber dazu dann später wieder mehr … live, ohne Virus, mit Publikum und Live-Einmischung meinerseits.

Wenn ich körperlich auch nicht anwesend sein werde, geistig bin ich bei Ihnen, ohne den Mut und die Hoffnung aufzugeben. Es kommen bessere Tage.

Einen herzlichen Gruß,
Ihr Michael Helm

Brache

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh

Schweigen

Keine Lesungen. Bis wann?
Fragen Sie diese Website und bleiben Sie in der Warteschleife …

Weitere Absagen und Verschiebungen

Die Matinee in Herford (Stadtbibliothek, 22.11.20) entfällt. Die Lesung in Enger (Gerbereimuseum, 17.11.20) wird um ein Jahr verschoben. Es tut mir sehr leid, aber bis zum Ende des Jahres stehen jetzt keine Lesungen mehr auf dem Programm. Obwohl die Konzepte sicherlich gut überlegt waren, sind Lesungen im Augenblick weder erlaubt noch sinnvoll.

Bitte bleiben Sie mir hier auf der Webseite gewogen. Wöchentlich gibt es Hör- und Lesbares. Natürlich halte ich Sie auch über die Ideen für neue Projekte und Formate auf dem Laufenden. Es ist eine Zeit der Veränderung, das gilt besonders für die Kunst. Ich habe einige Ideen, was davon sinnvoll ist und realisierbar, wird sich zeigen. Ich freue mich darauf, manches vielleicht einfach einmal ganz anders zu denken. Seien Sie gespannt …

Bleiben Sie gesund. Wir sehen uns …
Ihr Michael Helm

Auf der Suche

Freitags auf dem Block

Als Schüler wusste ich, ein gutes Buch würde ich im Regal einer guten Buchhandlung finden. 

Dann lernte ich, dass ein gutes Buch aus wirtschaftlichen Gründen nicht im Regal der Buchhandlung stehen könne, dass es aber innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden bestellbar sei. Super.

Später lernte ich dann die Verlagsbestellung guter Bücher kennen, auf die ich ein bis zwei Wochen warten müsse.

Heute finde ich ein gutes Buch im Verzeichnis der Antiquariate; mit der Hilfe digitaler Technik ist es nicht schwierig, es zu finden. 

Wo werden ich ein gutes Buch morgen aufstöbern? Vielleicht in einem zerschlissenen Regal meines längst leerstehenden Hauses? 

mh

Absagen & Verschiebungen

Die steigenden Infektionszahlen machen es wieder unmöglich.

Stadtbüberei Spenge
Die Lesung zu Milena Jesenská wird auf den 02.10.2021 verschoben. Wir hoffen, uns dann wieder unter anderen Bedingungen in Spenge sehen zu können. Ansonsten steht das Programm für 2021 dort. Zumindest was wir planen in Frühjahr und Herbst, wird hier in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Buchhandlung Herdecke
Die Mark Twain-Lesung entfällt vorerst. Wir bemühen uns, die Veranstaltung nachzuholen, sollte sich die Lage wieder bessern – wann auch immer – wie auch immer – wo auch immer.

In den nächsten Tagen erhalten Sie weitere Infos zu den Lesungen, die noch ausstehen in diesem Jahr. Mein Optimismus hält sich allerdings in Grenzen.

Bleiben Sie daher geduldig und vor allem gesund!
Ihr Michael Helm

Kurze kreative Pause

Auf dem Block lege ich bis zum 25.10. eine kurze kreative Pause ein.

Wie es mit den Lesungen im November aussieht, werde ich aus aktuellem Anlass immer wieder gefragt. Ich würde gerne irgendetwas mitteilen, kann es aber nicht.

Die angekündigten Veranstaltungen finden Sie unter Lesungen. Informieren Sie sich hier auf der Seite oder bei den Veranstaltern kurz vorher über das Stattfinden. Prognosen zu geben ist unmöglich. Wir müssen von Tag zu Tag denken.

Bleiben Sie gesund und denken Sie an Ihre Mitmenschen.
Ihr Michael Helm

Literatur beim Abtrocknen

Freitags auf dem Block

Am 10. September 2000 war sie, die erste Lesung in der Stadtbücherei Spenge. „Literatur zum Schmunzeln“. Fragen Sie mich nicht, wie wenig Leute damals zur Lesung gekommen sind. 

Die Lesungen „Zwischen den Zeilen“ in der Stadtbücherei Spenge gibt es 2020 seit zwanzig Jahren. Ein Grund zu Feiern und sich zu erinnern. In einer kleinen Serie möchte ich hier an ein paar besondere Augenblicke zurückdenken.

Ich erinnere mich aber an die alte Bücherei. Nicht einmal das Gebäude existiert heute noch. Die Regale mussten zur Seite geschoben werden, Stühle getragen und aufgestellt und alles musste vorbereitet sein, um auch Sekt, Saft & Co. zu reichen. Ich wollte ja nicht nur lesen, sondern auch nett mit den Gästen über Literatur plaudern. Die Gläser transportierten wir jedesmal vor der Lesung in die Bücherei und im Anschluss wurden sie in einer gemeinsamen Aktion in der kleinen Küche wieder abgespült. Es waren nette literarische Gespräche beim Abtrocknen, an die ich mich gerne erinnere. Der Nachklang zur Lesung in der Küche des Bürgerzentrums.

Jubiläumslesung | 20 Jahre „Zwischen den Zeilen“
Musikalische Lesung mit Stefan Kallmer (Klarinette, Saxophon, E-Piano, Gesang); Texte aus 20 Jahren mit Michael Helm
30.09.2020 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge | Infos

Überhaupt ist es Frau Rickert – der damaligen Leiterin der Bücherei – zu verdanken, dass es die Lesungen immer wieder gab. Was in Düsseldorf allsonntäglich funktionierte, musste sich in Spenge ja erst einmal rumsprechen. Erst gab es drei Lesungen im Halbjahr, später wurden es vier im Jahr. Den Sonntag als Veranstaltungstag haben wir in Spenge schnell wieder aufgegeben. Zu groß die Konkurrenz des heimischen Gartens. 

Nach der ersten Lesung sagte Frau Rickert dann mitleidsvoll zu mir: „Es hat den Leuten gefallen …, wirklich.“
Ich stutzte. 
„Sie zeigen es ja nicht so, die Ostwestfalen, aber glauben Sie mir. Die fanden das richtig gut … Das ist nicht Düsseldorf.“
Dabei musste sie selbst lachen. 

Sie hatte das sicherlich nicht zum ersten Mal zu einem Künstler aus der Fremde gesagt. Und Düsseldorf kam mir damals schon wirklich ziemlich weit und fremd vor, obwohl ich noch immer wöchentlich mit Rolf Fuchs auf der Bolkerstraße im Heinrich Heine-Geburtshaus auftrat. So manche Lesung mit identischem Text hätte an den beiden Orten unterschiedlicher nicht aufgenommen werden können. An der Bolkerstraße Schenkelklopfen, in Spenge ein herzlich-heimliches Schmunzeln.

Es war das erste Mal, dass ich ahnte, wo ich hingezogen war: nach Ostwestfalen, an den Teutoburger Wald. Aber den hatte doch schließlich Heinrich Heine schon in seinem Wintermärchen besungen, wenn der auch nicht gerade gut weggekommen war. Aber das gilt ja auch für Köln, Göttingen, Hamburg, etc. Das muss noch nichts heißen, dachte ich mir. 

Frau Rickert hatte Geduld mit mir und recht dazu. Denn die Leute kamen wieder. Und es wurden mehr. Wir zogen im damaligen Bürgerzentrum in den kleinen Veranstaltungsraum um. Der Raum lag neben dem Saal und hatte den Charme eines Konferenzraums. Aber immer wieder bekamen wir zu hören, wie nett wir den hergerichtet hätten. Manche erkannten ihn gar nicht wieder. Selbst eine Schultafel hätte ich nutzen können, wenn ich gewollt hätte. (Beamer gab es da ja noch nicht!)

Ein Teil meines Herzens ist ostwestfälisch geblieben

Ich weiß gar nicht, was ich ohne die Ausdauer und Freundlichkeit des damaligen Teams gemacht hätte. In Ostwestfalen habe ich gelernt, was es bedeutet, beharrlich zu sein. Manch einer nickte mir erst verstohlen grüßend zu, als er mich zehn Jahre lang kannte und ich schon auf gepackten Koffern ins Ruhrgebiet saß. 
„Wie, Sie ziehen fort? Warum denn?“, fragte er dann. 
Ich tröstete: „Die Lesungen bleiben Ihnen doch weiterhin erhalten.“ 

Es kamen dann Leute, die ich vorher nie bei den Veranstaltungen gesehen hatte. Selbst Engeraner, Herforder und Bielefelder überschritten mittlerweile die Stadtgrenzen. Und ich reiste für jede Lesung aus Herdecke an. Die waren jetzt im schmucken Neubau der Bücherei. Und da hörte ich eines Tages den Satz: 

„Schön, dass Sie unsere Lesungen hier weitermachen. Sie sind schließlich auch ein Ostwestfale, ein Spengeraner.“

Ich konnte den Herzen der Ostwestfalen nicht mehr entkommen. Und sie haben ja recht. Ein Teil meines Herzens ist ostwestfälisch geblieben, bis heute. Da soll Heine nur mal kommen …

Michael Helm

Jubiläumslesung

Am 30.09.20 ist die große Geburtstagslesung in der Stadtbücherei Spenge. 20 Jahre „Zwischen den Zeilen“ müssen gefeiert werden. Nach allen Regeln in Corona-Zeiten, aber gefeiert. Mit an meiner Seite wird Stefan Kallmer (Klarinette, Saxophon, E-Piano, Gesang) sein. Und es wird eine Überraschungslesung mit Texten aus 20 Jahren Lesungen in Spenge.

20 Jahre „Zwischen den Zeilen“
Stadtbücherei Spenge | 30.09.20 | 19.30 Uhr
Karten gibt es unter 05225 6322 und nur im Vorverkauf!

Aus dem Block …

Lesungen erwachen aus dem Dornröschenschlaf …

Die Webseite erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf!
Der Schlaf war zu lang und ich hoffe, nicht wieder einzunicken. Aber es besteht immerhin die Hoffnung …

In Planung sind zwei Open-Air-Lesungen mit Musik in Herford und Spenge. Geplant sind die Herbstlesungen in der Stadtbücherei Spenge. Geplant sind die Matineen in der Stadtbibliothek in Herford. Auch in Herdecke wird gesprochen und geplant.

Hurra! Die Kultur wird wieder wachgeküsst!

mh

Campo de´ Fiori

Römische Plätze

Er liegt verwinkelt inmitten der Stadt, als ziere er sich; wenn auch alle Römer ihn kennen. Das Blumenfeld genannt – ins Deutsche übertragen – als wolle man ihn, den Campo de´ Fiori, blumig bezeichnen. Obwohl er seinen Namen den Blumen fiori verdankt, die hier im Mittelalter wild wuchsen, ist er noch immer treffend so benannt. Denn folgt man morgens einer kleinen römischen Gasse – die verstellt ist mit gestauchten Automobilen und Rollern und deren Häuser halb verborgen liegen hinter Bougainvillen, hinter Geranien und Yuccas – dann öffnet sich der bescheidene Platz plötzlich in bunter Farbigkeit vor unseren Augen: Grüne, rote und gelbe Peperoni hängen bei weißen und rötlichen Zwiebeln, neben Knoblauch und über Orangen, Tomaten und Erdbeeren; alles kunterbunt durcheinander, wie auf einer Frühjahrswiese.

Campo de´ Fiori. Gerüche von Kräutern und Gewürzen. Geklapper von Kisten und Ständen. Die alte Zeigerwaage wiegt die Wünsche nach frischem Gemüse, nach Obst aller erdenklichen Sorten in wenigen Münzen auf. Am nächsten Stand wühlt man schon zwischen Sommerhüten und Seidentüchern. Italienisches Palaver schwillt an und ab zwischen den Ständen des morgendlichen Marktes. Und am Rande des Ganzen hockt ein kleiner Hund auf der Fußablage eines Motorrollers. Den Kopf streckt er genüsslich nach oben, als warte er dort, nur die Sonne genießend, auf Herrchen. Dabei betrachtet er das menschliche Treiben des Marktes von einer, für ihn doch exponierten Stelle mit Gleichgültigkeit. Morgens ist er der kleine Herr des Campo de´ Fiori auf seinem Roller. Als gäbe es da einen Zweifel!

Doch der Platz verändert sich im Licht. Obst- und Gemüsestände sind am Nachmittag auf einmal verschwunden und der Campo öffnet sich den Blicken. Dann ragt inmitten des Platzes ein Standbild auf, das im geschäftigen Treiben untergegangen schien. Die düstere Gestalt auf ihrem Sockel hatte den ganzen Morgen unbewegt über die Marktstände geschaut. Nun blickt sie nachdenklich auf den Campo. Das Gesicht des Mannes liegt verborgen unter der Kapuze seiner Mönchskutte. Gerade erst scheint er stehen geblieben. Seine Arme haben sich vor der Kutte verschränkt, seine Hände haben sich nicht zum erlösenden Spruch gefunden; sie schwören nicht ab! Stattdessen, so scheint es, hält er fest an der Gewissheit eines Buches, das er sich selbstbewusst an den Leib drückt. Das Geheimnis seines Gesichtes bleibt unter der Kapuze verborgen. 

Bricht der Abend herein wird der Platz dunkler und die Lampen erleuchten ihn spärlich. Verstohlen tastet das künstliche Licht der Laternen sich über den Campo. Ihn umgeben erleuchtete, kleine Geschäfte. Die Restaurants öffnen, die Tische rings um den Platz füllen sich; das abendliche Leben des Campo de´ Fiori beginnt.

Je finsterer es wird, desto mutiger scheint mir das Licht der Laternen. Gelblich-orange schimmert es zu Füßen des Mönches und klettert langsam empor am sandsteinernen Sockel. Er steht weiterhin ungerührt inmitten des römischen Platzes. Touristen umgeben ihn mit sorgloser Ausgelassenheit, lassen sich am Fuß des Postamentes nieder. Die Menschen genießen ihr Essen, den Wein, die besondere Atmosphäre eines Ortes, der durch sein nächtliches Lichtspiel verzaubert. Ringsum ist Leben, ist Ausgelassenheit und Leichtigkeit.

Das Geheimnis des Platzes liegt jedoch in einer kaum bemerkten Schwere

Sein verborgener Blick liegt auf dem Campo. Was, wenn der einsame Mönch dort oben nicht ausharrte? 1600 n. Chr. hatte man Giordano Bruno hier zum Scheiterhaufen geführt und lebendig verbrannt. Zuvor acht Jahre Haft und der Prozess der Inquisition. In der einsetzenden Dunkelheit schaut er von seinem Postament auf die Menschen in den Bars und Lokalen; inmitten des römischen Lebens, inmitten des sonderbaren Lichtes, das sich zu Giordano Brunos Füßen in der Dunkelheit ausbreitet, als schwele hier noch eine Glut. Hält uns die Dunkelheit einmal umschlungen, sieht man, wie der helle Sandstein des Postaments im kunstvollen Licht flimmert. Die dunkle Bronzegestalt in ihrem Umhang entzieht sich unserem Blick und verschwindet über uns allmählich in finsterer Nacht.

Michael Helm