Michael Helm

Brache

vom 22. Januar 2021

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh

Schweigen

vom 01. Januar 2021

Keine Lesungen. Bis wann?
Fragen Sie diese Website und bleiben Sie in der Warteschleife …

Campo de´ Fiori

vom 26. Juni 2020

Römische Plätze

Er liegt verwinkelt inmitten der Stadt, als ziere er sich; wenn auch alle Römer ihn kennen. Das Blumenfeld genannt – ins Deutsche übertragen – als wolle man ihn, den Campo de´ Fiori, blumig bezeichnen. Obwohl er seinen Namen den Blumen fiori verdankt, die hier im Mittelalter wild wuchsen, ist er noch immer treffend so benannt. Denn folgt man morgens einer kleinen römischen Gasse – die verstellt ist mit gestauchten Automobilen und Rollern und deren Häuser halb verborgen liegen hinter Bougainvillen, hinter Geranien und Yuccas – dann öffnet sich der bescheidene Platz plötzlich in bunter Farbigkeit vor unseren Augen: Grüne, rote und gelbe Peperoni hängen bei weißen und rötlichen Zwiebeln, neben Knoblauch und über Orangen, Tomaten und Erdbeeren; alles kunterbunt durcheinander, wie auf einer Frühjahrswiese.

Campo de´ Fiori. Gerüche von Kräutern und Gewürzen. Geklapper von Kisten und Ständen. Die alte Zeigerwaage wiegt die Wünsche nach frischem Gemüse, nach Obst aller erdenklichen Sorten in wenigen Münzen auf. Am nächsten Stand wühlt man schon zwischen Sommerhüten und Seidentüchern. Italienisches Palaver schwillt an und ab zwischen den Ständen des morgendlichen Marktes. Und am Rande des Ganzen hockt ein kleiner Hund auf der Fußablage eines Motorrollers. Den Kopf streckt er genüsslich nach oben, als warte er dort, nur die Sonne genießend, auf Herrchen. Dabei betrachtet er das menschliche Treiben des Marktes von einer, für ihn doch exponierten Stelle mit Gleichgültigkeit. Morgens ist er der kleine Herr des Campo de´ Fiori auf seinem Roller. Als gäbe es da einen Zweifel!

Doch der Platz verändert sich im Licht. Obst- und Gemüsestände sind am Nachmittag auf einmal verschwunden und der Campo öffnet sich den Blicken. Dann ragt inmitten des Platzes ein Standbild auf, das im geschäftigen Treiben untergegangen schien. Die düstere Gestalt auf ihrem Sockel hatte den ganzen Morgen unbewegt über die Marktstände geschaut. Nun blickt sie nachdenklich auf den Campo. Das Gesicht des Mannes liegt verborgen unter der Kapuze seiner Mönchskutte. Gerade erst scheint er stehen geblieben. Seine Arme haben sich vor der Kutte verschränkt, seine Hände haben sich nicht zum erlösenden Spruch gefunden; sie schwören nicht ab! Stattdessen, so scheint es, hält er fest an der Gewissheit eines Buches, das er sich selbstbewusst an den Leib drückt. Das Geheimnis seines Gesichtes bleibt unter der Kapuze verborgen. 

Bricht der Abend herein wird der Platz dunkler und die Lampen erleuchten ihn spärlich. Verstohlen tastet das künstliche Licht der Laternen sich über den Campo. Ihn umgeben erleuchtete, kleine Geschäfte. Die Restaurants öffnen, die Tische rings um den Platz füllen sich; das abendliche Leben des Campo de´ Fiori beginnt.

Je finsterer es wird, desto mutiger scheint mir das Licht der Laternen. Gelblich-orange schimmert es zu Füßen des Mönches und klettert langsam empor am sandsteinernen Sockel. Er steht weiterhin ungerührt inmitten des römischen Platzes. Touristen umgeben ihn mit sorgloser Ausgelassenheit, lassen sich am Fuß des Postamentes nieder. Die Menschen genießen ihr Essen, den Wein, die besondere Atmosphäre eines Ortes, der durch sein nächtliches Lichtspiel verzaubert. Ringsum ist Leben, ist Ausgelassenheit und Leichtigkeit.

Das Geheimnis des Platzes liegt jedoch in einer kaum bemerkten Schwere

Sein verborgener Blick liegt auf dem Campo. Was, wenn der einsame Mönch dort oben nicht ausharrte? 1600 n. Chr. hatte man Giordano Bruno hier zum Scheiterhaufen geführt und lebendig verbrannt. Zuvor acht Jahre Haft und der Prozess der Inquisition. In der einsetzenden Dunkelheit schaut er von seinem Postament auf die Menschen in den Bars und Lokalen; inmitten des römischen Lebens, inmitten des sonderbaren Lichtes, das sich zu Giordano Brunos Füßen in der Dunkelheit ausbreitet, als schwele hier noch eine Glut. Hält uns die Dunkelheit einmal umschlungen, sieht man, wie der helle Sandstein des Postaments im kunstvollen Licht flimmert. Die dunkle Bronzegestalt in ihrem Umhang entzieht sich unserem Blick und verschwindet über uns allmählich in finsterer Nacht.

Michael Helm

Große Nachfrage in Herdecke

vom 20. Februar 2019

Die angekündigten Lesungen in Herdecke „klein & fein – Literatur im Dachgeschoss“ erfreuen sich einer großen Nachfrage. Das freut uns natürlich sehr. Wer noch Karten bekommen möchte für die vier Lesungen, der sollte sich sputen. Reservieren können Sie in der Buchhandlung unter Tel. 02330 2507. Mehr Infos zu den Lesungen.

mh

OWL pur Lesung!

vom 26. September 2016

Eine Lesung für meine lieben Ostwestfalen; von einem, der auszog die Region zu erkunden. Ich hab´ mich richtig ins Zeug geworfen  und Texte und Fotos und Gedichte und Historisches ausgegraben. Also lasst euch überraschen. Wer nicht kann, der drücke wenigstens dem BVB die Daumen gegen Madrid!

»Das ist der Teutoburger Wald«
oder: Über den Hermann durch Ostwestfalen
27.09.2016 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge | Poststraße 6a | Infos»

mh

Ein Auftritt ist ein Auftritt ist ein Auftritt…

vom 27. Juni 2016

Da bereiteten sich die Lesescouts der Olof-Palme-Gesamtschule seit Monaten darauf vor, die einstudierten Texte bei einem abschließenden Auftritt in der Gemeindebücherei zu präsentieren. Cool, wie die Jungs oft sind, merkt man ihnen die Spannung erst auf den letzten Metern an. Schließlich hat man das alles schon zig mal gemacht: bei Grundschullesungen vor den Leseanfängern, bei Präsentationen in den letzten Jahren und auch diese neuen Texte hat man nun schon zig mal durchgekaut – so oft, dass mancher sie fast auswenig vorsprechen könnte. Wäre da nicht der Moment, da ein Auftritt alle einholt, da dem Coolsten das Herz hörbar in der Brust zu klopfen beginnt. Wäre das Lesen vor Publikum nicht doch etwas ganz anderes. Und wäre da am Ende nicht auch dieses befreiende Gefühl, das einen vor Stolz größer werden lässt.

Ohne Auftritt wäre ein Lesescoutjahr unvollendet. Die Erfahrungen, die man in diesen Auftrittssekunden macht, sind unersetzlich: dass man den einen Ton trifft oder nicht, dass man improvisiert, wenn etwas daneben geht, und niemand hat´s bemerkt oder dass zum ersten Mal gelingt, was noch nie so gut geglückt war, weil Lampenfieber auch das möglich macht. Dieses Gefühl ist unvergleichlich.

Dieses Gefühl konnten die Lesescouts der Olof-Palme-Gesamtschule am letzten Donnerstag wieder gemeinsam teilen. Die Lesung am Ende des diesjährigen Projekts am 23.06. in der Gemeindebücherei Hiddenhausen war wieder ein tolles Erlebnis. Beim Grillen im Anschluss herrschte dann jene verdiente Ausgelassenheit, die einer Premierenfeier zu eigen ist. Es ist etwas Besonderes, wenn man etwas Besonderes geschafft hat. Ein Auftritt ist eben ein Auftritt ist eben ein Auftritt…

mh