Michael Helm

Nacht der Bibliotheken

Heute ist die „Nacht der Bibliotheken“, auch in Spenge. Ich hätte dort heute Abend Kurt Tucholsky gelesen. In C-Zeiten natürlich nicht live.

Dabei hatte ich im Dezember noch gehofft: Im März könnte doch wieder etwas gehen, vielleicht im kleinen Rahmen, vielleicht mit wenig Publikum, hinter Masken und Plexiglaswänden, oder doch ohne Gäste? Jetzt findet die Lesung auch ohne Rezitator statt. Der sitzt, wie Sie, zu Hause und liest sich selbst etwas vor.

Dafür hat die fb-Seite der „Stadt Spenge – Kultur und Stadtmarketing“ einen kleinen Auszug, einen Tucholsky-Schnipsel von mir online gestellt. (Danke dafür an Spenge und die Bücherei.)

Das Thema der Nacht der Bibliotheken ist „Einmischen“. Und Tucholsky hat sich eingemischt und würde es auch heute noch tun. Aber dazu dann später wieder mehr … live, ohne Virus, mit Publikum und Live-Einmischung meinerseits.

Wenn ich körperlich auch nicht anwesend sein werde, geistig bin ich bei Ihnen, ohne den Mut und die Hoffnung aufzugeben. Es kommen bessere Tage.

Einen herzlichen Gruß,
Ihr Michael Helm

Carl von Ossietzky starb am 4. Mai 1938

Er war Friedensnobelpreisträger. Er war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er gab die Berliner Wochenzeitschrift Die Weltbühne heraus. 

Kurt Tucholsky hatte ihn empfohlen. Siegfied Jacobsohn, der Begründer der kritischen Zeitschrift über Politik, Kunst und Wirtschaft, hatte ihn ins Boot geholt. Seit 1926 schrieb er für Die Weltbühne, bis er 1927 – nach dem Tode Jacobsohns – unter Mitarbeit Tucholskys zu ihrem Chefredakteur wurde. 

Der engagierte Demokrat und Pazifist gehörte 1933 zu denjenigen Schriftstellern, deren Werke der Bücherverbrennung zum Opfer fielen. „Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!“ Mit diesen Worten flogen ihre Schriften in die Flammen. 

Er wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und kam in die Konzentrationslager Sonnenburg und Esterwegen, wo er schwer misshandelt wurde. Einer langjährigen Kampagne von Freunden und Unterstützern ist es zu verdanken, dass er 1936 rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1935 zugesprochen bekam. Man hatte ihn auf Druck der internationalen Öffentlichkeit schwerkrank aus dem KZ in ein Krankenhaus entlassen. Er stand allerdings weiterhin unter ständiger Bewachung der Gestapo. Zur Preisverleihung durfte er nicht nach Oslo reisen. 

Carl von Ossietzky starb am 4. Mai 1938 an Tuberkulose, als Folge seines Aufenthaltes im Konzentrationslager. 

mh

Erste Lesung in Witten

Die erste Lesung in der neuen Stadtbibliothek in Witten ist fix. Im neuen Bau, in einer tollen, völlig neu strukturierten Bibliothek, wird auch die erste Lesung mit mir sein. In einen tollen Ambiente, wie ich finde.

24.11.2016 | 19:30 Uhr
Kurt Tucholsky – Ein Leben zwischen 5 Pseudonymen
Stadtbibliothek Witten | Husemannstr. 12 | Infos» (more…)

Seien Sie willkommen!

Ich bin kein Blogger! Und nun ein Block? Auch noch falsch geschrieben? Seinem nahen Verwandten, dem Blog, soll er allenfalls ein kleiner Bruder sein. Ein paar hingeschriebene Notizen, eben wie auf einem altmodischen Block. Kleine Gedanken, die bei Lesungen untergehen, in Büchern ewig Randnotiz bleiben, bis… ja bis. Ich weiß es doch auch nicht! Vielleicht werden sie ja einmal Erleuchtung. Oder sie bleiben, was sie immer schon waren: Schnipsel, wie der sehr geschätzte Kurt Tucholsky sie einmal nannte.

Wenn sie unterhaltsam wären, schön. Wenn sie des geneigten Lesers Gedanken auf einen kleinen Umweg führten, super. Wenn sie zum Grübeln anregten, wunderherrlich!

Ihr Michael Helm

Aus dem Block …

Kaspars Gedankengang III

… zurück zu dem Gedanken an Klara und die Sonne. Zurück zu Dave. Beide Bücher spielen mit Vorstellungen des Zukünftigen. Doch schreibt Ishiguro in Klara und die Sonne keinen Science Fiction. Das hatte er auch in Alles, was wir geben mussten schon nicht getan, selbst wenn er utopistische Sujets verwendet … 

… Klara ist eine Roboterin – überhaupt sind die Figuren fast ausschließlich weiblich. Da ist die Mangagerin, die Klara verkaufen will. Klara steht mit den anderen Robotermodellen im Geschäft, wenn alles gut läuft, wird sie gar im Schaufenster feilgeboten. Klara freut sich, die Sonne erreicht sie dort mit ihrer „lebensspenden“ Kraft besonders. Klaras Energiehaushalt wird über Solarzellen gespeist. Was hier banal klingt, entfaltet Ishiguro zu einer ungeahnten Idee im Buch … Ein Highlight des Romans …

… Klara freut sich, im Schaufenster zu stehen? Ja, sie freut sich. Sie beobachtet die Menschen auf der Straße, ist enttäuscht, … vielleicht sogar ein bisschen verärgert über die Maschine auf der Straße, die den Blick zur Sonne mit ihren Abgasen trübt … Eine Roboterin, die fühlt? … Klara soll wie alle anderen Modelle eine Begleiterin für Jungendliche sein, besonders ein emotionaler Halt auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Dafür ist sie geschaffen worden … Ishiguro schafft keine intellektuell übermenschlich begabten Roboter, er schafft empfindungsfähige Kreaturen. Eine davon, Klara, erzählt uns ihre Geschichte. Und sie ist eine einzigartige Erzählerin in der Weltliteratur … Sie ist noch unerfahren, beobachtet den Menschen … und sie ist eine scharfe Beobachterin … macht sich ihre Gedanken … ihre Erfahrungen … lernt … ist mitfühlend … Ishiguro findet für sie einen Ton, der die gesamte Geschichte prägt … Klaras Sicht der Dinge … Ishiguro beschreibt einen zutiefst menschlichen Charakter, den wir uns nicht mehr als Maschine vorstellen können …

… ich assoziiere sofort den Weltklassiker von Mary Wollstonecraft Shelley, in dem die Verantwortung des menschlichen Schöpfers für sein „Geschöpf“ in den Blick genommen wird … Untertitel: Der moderne Prometheus.

… Ishiguro redet nicht von der Technik, den technischen Möglichkeiten. Solche Details sind ihm unwichtig. Er denkt sich und uns in eine Welt, die sich (technisch) verändert hat, in der seine Figuren, Menschen und menschliche Maschinen existieren müssen … und wie sie es tun … er fragt nach der Individualität und den „menschlichen“ Beziehungen untereinander …

… Wie anders ist Dave. Raphaela Edelbauer schreibt einen hochwertigen Science Fiction … Es wird eine andere Zeit erdacht, bis hinein in die computertechnischen Details und Herausforderungen, wie sie uns drohen könnte … gut recherchiert, sofern ich das beurteilen kann, ich bin kein it-Spezialist …

… Dave soll die erste Künstliche Intelligenz sein, die mit Höchstleistung an Rechnerkapazität ausgestattet, ein menschliches Bewusstsein bekommen soll … Wie bei Klara, soll die Maschine mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet werden, um den Menschen letztlich zu übertreffen. Nicht nur Syz, den Erzähler und Protagonisten, überkommen da im Laufe der Geschichte Zweifel … den haben die Leser*innen gleich auf den ersten Seiten, auf denen es zum Totalausfall des genialen Rechners zu kommen droht … 

Spannend geschrieben, gespannt harre ich auf Weiteres …

Kaspar Hauser

Herforder AutorInnen lesen wieder

Im Rahmen der Herforder Kulturnacht (25.09.2021) liest auch die Herforder AutorInnen-Gruppe am kommenden Samstag wieder. Der lange, aber wenig märchenhafte Zauberschlaf ist vorbei. Wir freuen uns auf die Lesung und auf viele Gäste …

25.09.21 | Frühherrenhaus Herford | 19.30 Uhr | Infos