Michael Helm

„Abermals sehe ich dich wieder …“

Eine fotografische Biografie

Aber niemand wird eine Stadt kennenlernen können,
wenn er sie nicht befragt, indem er sich selbst befragt.

José Cardoso Pires 
(1925-1998)

Lisboa. Die Stadt der Flüsterer. Es sind nicht die Wahrzeichen, wie in Rom, Paris, Berlin. Es sind nicht die unzähligen Touristenattraktionen. Es sind die Parks.

Wir schlendern zu zweit. Durch die Parks, durch die Straßen und Gassen der Altstadt. Die Tage im Grünen, auf einer Bank, der Mann hinter seiner Zeitung, die Nachmittage in den Cafés, nach dem Spaziergang, die Abende voller Jazz. Die europäische Metropole des Ausatmens. Lisboa.

Waren es nur zehn Tage? Tage, die meine Erinnerungen auszufüllen vermeinen. Tage, in denen ich Details rieche, das Alte, die Weite, das Wasser. Und den Café. Lisboa.

mh

Der Titel stammt aus einem Gedicht von Álvaro de Campos (Pseudonym Fernando Pessoas, 1926)

Reisen Sie mit mir nach Lissabon

Die nächste literarische Reise mit mir führt Sie kommenden Freitag nach Lissabon, in die Stadt zwischen den Welten. Sie brauchen dafür nur nach Löhne in die Buchhandlung Schmidt kommen. Alles Weitere übernehmen wir dann für Sie. Und abends sind Sie schon wieder zurück. ;)

22.06.18 | Buchhandlung Schmidt | Löhne | 19.30 Uhr

Lissabon – Stadt zwischen den Welten
Literarische Ansichten der portugiesischen Stadt am Meer

Infos »

Eine Reise nach Lissabon

Morgen fahre ich zu einer Veranstaltung nach Herford und reise mit Ihnen nach Lissabon, sofern Sie möchten! In Zeiten, da wir vielleicht wieder einen Blick auf Europa werfen sollten, um uns zu fragen, wie soll dieses Europa heute und morgen aussehen, freue ich mich darüber, dass Lesungen zu Lissabon, Paris und anderen europäischen Themen wieder vermehrt anklang bei Veranstaltern und beim Publikum finden.

Dabei können Sie morgen entspannt sitzen bleiben, die kulinarischen Genüsse im schönen Ambiente des M-Teams genießen, während ich sie in die Gassen Lissabons entführe. Machen Sie mit mir einen literarischen Spaziergang in eine Stadt zwischen den Welten. Es ergibt sich eine Vielschichtigkeit und Farbigkeit, die man im alltäglichen Leben ebenso spürt wie nachts in den kleinen Fadolokalen oder in den Bars im Bairro Alto. Ich schlendere mit Ihnen durch die Gassen der Alfama, verweile auf einer Bank im Stadtpark oder nehme Sie mit auf die Fahrt in der berühmten Straßenbahnlinie 28. Ich freue mich auf diese Reise mit Ihnen! Weitere Infos zur Lesung finden Sie hier»

mh

Europa im Herzen

Nachdem der Autor dieser Zeilen immer häufiger von europakritischen Tönen hört und liest, die in gehässige, wenn nicht gar europafeindliche Missklänge umschschlagen, ist es vielleicht einmal Zeit wieder darauf hinzuweisen, dass wir mehr gemeinsam haben, als man uns einreden möchte. Deshalb möchte ich Ihnen hier schon einmal drei Lesungen im Herbst ans Herz legen, die sich mit den schönen Seiten und Orten unseres Kontinents beschäftigen werden. Nicht unkritisch, wie ich betonen möchte, aber immer mit einem liebevollen Blick, der nicht verachtet oder schmäht! (more…)

Aus dem Block …

Lesungen erwachen aus dem Dornröschenschlaf …

Die Webseite erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf!
Der Schlaf war zu lang und ich hoffe, nicht wieder einzunicken. Aber es besteht immerhin die Hoffnung …

In Planung sind zwei Open-Air-Lesungen mit Musik in Herford und Spenge. Geplant sind die Herbstlesungen in der Stadtbücherei Spenge. Geplant sind die Matineen in der Stadtbibliothek in Herford. Auch in Herdecke wird gesprochen und geplant.

Hurra! Die Kultur wird wieder wachgeküsst!

mh

Campo de´ Fiori

Römische Plätze

Er liegt verwinkelt inmitten der Stadt, als ziere er sich; wenn auch alle Römer ihn kennen. Das Blumenfeld genannt – ins Deutsche übertragen – als wolle man ihn, den Campo de´ Fiori, blumig bezeichnen. Obwohl er seinen Namen den Blumen fiori verdankt, die hier im Mittelalter wild wuchsen, ist er noch immer treffend so benannt. Denn folgt man morgens einer kleinen römischen Gasse – die verstellt ist mit gestauchten Automobilen und Rollern und deren Häuser halb verborgen liegen hinter Bougainvillen, hinter Geranien und Yuccas – dann öffnet sich der bescheidene Platz plötzlich in bunter Farbigkeit vor unseren Augen: Grüne, rote und gelbe Peperoni hängen bei weißen und rötlichen Zwiebeln, neben Knoblauch und über Orangen, Tomaten und Erdbeeren; alles kunterbunt durcheinander, wie auf einer Frühjahrswiese.

Campo de´ Fiori. Gerüche von Kräutern und Gewürzen. Geklapper von Kisten und Ständen. Die alte Zeigerwaage wiegt die Wünsche nach frischem Gemüse, nach Obst aller erdenklichen Sorten in wenigen Münzen auf. Am nächsten Stand wühlt man schon zwischen Sommerhüten und Seidentüchern. Italienisches Palaver schwillt an und ab zwischen den Ständen des morgendlichen Marktes. Und am Rande des Ganzen hockt ein kleiner Hund auf der Fußablage eines Motorrollers. Den Kopf streckt er genüsslich nach oben, als warte er dort, nur die Sonne genießend, auf Herrchen. Dabei betrachtet er das menschliche Treiben des Marktes von einer, für ihn doch exponierten Stelle mit Gleichgültigkeit. Morgens ist er der kleine Herr des Campo de´ Fiori auf seinem Roller. Als gäbe es da einen Zweifel!

Doch der Platz verändert sich im Licht. Obst- und Gemüsestände sind am Nachmittag auf einmal verschwunden und der Campo öffnet sich den Blicken. Dann ragt inmitten des Platzes ein Standbild auf, das im geschäftigen Treiben untergegangen schien. Die düstere Gestalt auf ihrem Sockel hatte den ganzen Morgen unbewegt über die Marktstände geschaut. Nun blickt sie nachdenklich auf den Campo. Das Gesicht des Mannes liegt verborgen unter der Kapuze seiner Mönchskutte. Gerade erst scheint er stehen geblieben. Seine Arme haben sich vor der Kutte verschränkt, seine Hände haben sich nicht zum erlösenden Spruch gefunden; sie schwören nicht ab! Stattdessen, so scheint es, hält er fest an der Gewissheit eines Buches, das er sich selbstbewusst an den Leib drückt. Das Geheimnis seines Gesichtes bleibt unter der Kapuze verborgen. 

Bricht der Abend herein wird der Platz dunkler und die Lampen erleuchten ihn spärlich. Verstohlen tastet das künstliche Licht der Laternen sich über den Campo. Ihn umgeben erleuchtete, kleine Geschäfte. Die Restaurants öffnen, die Tische rings um den Platz füllen sich; das abendliche Leben des Campo de´ Fiori beginnt.

Je finsterer es wird, desto mutiger scheint mir das Licht der Laternen. Gelblich-orange schimmert es zu Füßen des Mönches und klettert langsam empor am sandsteinernen Sockel. Er steht weiterhin ungerührt inmitten des römischen Platzes. Touristen umgeben ihn mit sorgloser Ausgelassenheit, lassen sich am Fuß des Postamentes nieder. Die Menschen genießen ihr Essen, den Wein, die besondere Atmosphäre eines Ortes, der durch sein nächtliches Lichtspiel verzaubert. Ringsum ist Leben, ist Ausgelassenheit und Leichtigkeit.

Das Geheimnis des Platzes liegt jedoch in einer kaum bemerkten Schwere

Sein verborgener Blick liegt auf dem Campo. Was, wenn der einsame Mönch dort oben nicht ausharrte? 1600 n. Chr. hatte man Giordano Bruno hier zum Scheiterhaufen geführt und lebendig verbrannt. Zuvor acht Jahre Haft und der Prozess der Inquisition. In der einsetzenden Dunkelheit schaut er von seinem Postament auf die Menschen in den Bars und Lokalen; inmitten des römischen Lebens, inmitten des sonderbaren Lichtes, das sich zu Giordano Brunos Füßen in der Dunkelheit ausbreitet, als schwele hier noch eine Glut. Hält uns die Dunkelheit einmal umschlungen, sieht man, wie der helle Sandstein des Postaments im kunstvollen Licht flimmert. Die dunkle Bronzegestalt in ihrem Umhang entzieht sich unserem Blick und verschwindet über uns allmählich in finsterer Nacht.

Michael Helm