Michael Helm

Gehen oder bleiben?

Hermann Kesten war ein deutscher Schriftsteller der Neuen Sachlichkeit. Mir begegnete er in den letzten Tagen immer wieder, als ich in einem Schülerprojekt über Erich Kästner sprach. Kesten war ein geschätzter Kollege und Freund Kästners. Als jüdischer Mitbürger und wegen seiner politischen Gesinnung verließ er 1933 – im Gegensatz zu Kästner – das Land und floh nach Frankreich und 1940 in die USA.

Es ergab sich eine spannende Diskussion in der Gruppe darüber, was man selbst in einer solchen Situation wohl getan hätte: emigrieren, wie Hermann Kesten, oder die innere Emigration wählen wie Erich Kästner. Eine schwierige Frage.

Hermann Kesten starb am 3. Mai 1996 in Basel.

mh

Aus dem Block …

Nacht der Bibliotheken

Heute ist die „Nacht der Bibliotheken“, auch in Spenge. Ich hätte dort heute Abend Kurt Tucholsky gelesen. In C-Zeiten natürlich nicht live.

Dabei hatte ich im Dezember noch gehofft: Im März könnte doch wieder etwas gehen, vielleicht im kleinen Rahmen, vielleicht mit wenig Publikum, hinter Masken und Plexiglaswänden, oder doch ohne Gäste? Jetzt findet die Lesung auch ohne Rezitator statt. Der sitzt, wie Sie, zu Hause und liest sich selbst etwas vor.

Dafür hat die fb-Seite der „Stadt Spenge – Kultur und Stadtmarketing“ einen kleinen Auszug, einen Tucholsky-Schnipsel von mir online gestellt. (Danke dafür an Spenge und die Bücherei.)

Das Thema der Nacht der Bibliotheken ist „Einmischen“. Und Tucholsky hat sich eingemischt und würde es auch heute noch tun. Aber dazu dann später wieder mehr … live, ohne Virus, mit Publikum und Live-Einmischung meinerseits.

Wenn ich körperlich auch nicht anwesend sein werde, geistig bin ich bei Ihnen, ohne den Mut und die Hoffnung aufzugeben. Es kommen bessere Tage.

Einen herzlichen Gruß,
Ihr Michael Helm

Brache

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh