Michael Helm

Etna

Fotografische Biografie

„(…) dann schließt der ungeheure, dampfende Feuerberg das weite, breite Bild, aber nicht schrecklich, denn die mildernde Atmosphäre zeigt ihn entfernter und sanfter, als er ist.“ 

So beschrieb Goethe seinen Anblick des Etnas. Er schaute einst vom antiken Theater in Taormina auf den Berg. 

Vor mir liegt er majestätisch kühl. Es juckt ihn gar nicht. Dass ich hier bin. Dass ich ihn betrachte. Über das Vergangene nachdenke, wie ich es an solchen Orten gerne tue. Im Denken handeln. Sich im Anblick der Welt verändern lassen. Im Anblick dieses Berges. 

Ich muss ihn nicht heilig nennen, wie die Griechen. Sie bauten ihr Theater so, dass er alles überragte. Das menschliche Schicksal. Das Spiel im Theater. Er war ihnen mehr, als nur Kulisse. 

Seinen Launen haben wir uns zu fügen. Bedeckt er sich, sehen wir ihn nicht. Beginnt er zu rasen, dann haben wir uns unterzuordnen. Wir können das beklagen oder nicht. Es juckt ihn nicht, wie wir ihn nennen.

In ihrer Selbstvergötterung verbauten die Römer den Blick der unteren Ränge auf den Etna mit einer Theatermauer. Heute liegt sie eingefallen vor uns. Sie wollten ihn nicht mehr sehen müssen. 

Wir können unsere Augen schließen. Fort ist er nicht. Da ist es vielleicht besser, offenen Auges hinzuschauen, sich beeindrucken zu lassen, wie Goethe es tat. Sehend werden. 

mh

Schöne Ostertage

Auch wenn uns das gemeinsame „Menschsein“ in diesen Tagen schwerer fällt als sonst, wünsche ich euch doch ein paar schöne Ostertage, vielleicht einmal ohne die uns in den letzten Tagen und Wochen quälenden Gedanken.

Osterspaziergang Fausts

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit’ und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Johann Wolfgang von Goethe im Faust I

Goethe in Spenge…

„Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet,“

dichtet der alte Goethe und sehnt sich noch einmal nach Frühlingshauch und Sommerbrand. Wie das Gedicht weitergeht? Erfahren Sie morgen in der Stadtbücherei Spenge. Infos»

Gedichte aus dem Divan

Die nächste Lesung in Spenge wird nicht so gemütlich, wie es der Titel nahelegen könnte. Vielmehr geht es darum »noch einmal Frühlingshauch und Sommerbrand« zu spüren. So ging es jedenfalls dem alten Goethe.

West-Östlicher Divan
Die späten Dichtungen Johann Wolfgang von Goethes
28.09.17 / 19.30 Uhr / Stadtbücherei Spenge / Infos»

Bildquelle: Wikipedia

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.

Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

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Tut ein Schilf sich doch hervor,
Welten zu versüßen!
Möge meinem Schreibe-Rohr
Liebliches entfließen!

Johann Wolfgang von Goethe
West-östlicher Divan

Goethe & Hafis

Hafis ist einer der bekanntesten persischer Dichter. Vielleicht würden wir ihn hierzulande weniger kennen, hätte sich der alte Goethe nicht intensiv mit seiner Lyrik beschäftigt und daraufhin selbst den West-östlichen Divan geschrieben. Das Alterswerk des deutschen Klassikers ist auch Thema der Lesung am 13. September in der Stadtbibliothek in Herford.

Nach langer Pause geht es endlich wieder los! Im Frühjahr gab es dort keine Lesungen wegen des Wechsels der Bibliotheksleitung. Jetzt ist die Durststrecke vorüber. Am 15. November gibt es dann die Matinee zu Stefan Zweigs Schachnovelle. Beide Lesungen sind wieder restlos ausverkauft. Ein Trost, im Oktober gibt es in der Stadtbibliothek noch eine Abendveranstaltung mit dem Förderverein Buch.Bar. Geplant ist diese am 22.10. zum Thema „Europa im Herzen“. Sein Sie noch ein paar Tage lang neugierig …

mh

„Mehr als eine Lesung“,

meint die Neue Westfälische zur Lesung „Goethe & Schiller – Eine Freundschaft“ (Teil I) in Spenge. Den Zeitungsartikel von Frau Bohnenkamp-Schmidt können Sie hier im Internet nachlesen! Nettes Foto übrigens. Merci.

mh

Aus dem Block …

Brache

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh

Schweigen

Keine Lesungen. Bis wann?
Fragen Sie diese Website und bleiben Sie in der Warteschleife …