Michael Helm

Berührung im Nebel

Freitags auf dem Block

Das alles geschah wie in einem Nebel. Die Musik drang hindurch, ein paar Lichtstrahlen, ein Jazzbesen strich seinen Takt … die Enge des Jazzkellers … Schleierfetzen wabernden Kohlenoxids: Wir hatten etwas zu viel Rotwein getrunken, uns amüsiert. Bernd sprach Worte, die niemand verstand, dann schwieg die Snare, die Unruhe begann. Ich klatschte. Da spürte ich einen Arm, Finger, die an meiner Hand vorbeistrichen. Das Weinglas, vor mir, verschwand einfach. Keine große Bewegung, kein Wort, kein Laut, nur die Geste im Nebel. Eine junge Frau erhob sich mit meinem Glas und weil ein Scheinwerfer sie vorübergehend anstrahlte, sah ich eine Nuance ihres Gesichts, sonst Schatten. Mit dem leicht geschwenkten Rotwein und einer Freundin war sie beinahe verschwunden. Jedoch …, bevor sie unter einem der Gewölbebögen abtauchte, sah ich, wie sie das Glas an den Mund führte, wie mein Wein ihre Lippen berührte … ein unsichtbarer Kuss lag auf ihnen. Ich lächelte still vor mich hin. 

Michael Helm

Aus dem Block …

Nacht der Bibliotheken

Heute ist die „Nacht der Bibliotheken“, auch in Spenge. Ich hätte dort heute Abend Kurt Tucholsky gelesen. In C-Zeiten natürlich nicht live.

Dabei hatte ich im Dezember noch gehofft: Im März könnte doch wieder etwas gehen, vielleicht im kleinen Rahmen, vielleicht mit wenig Publikum, hinter Masken und Plexiglaswänden, oder doch ohne Gäste? Jetzt findet die Lesung auch ohne Rezitator statt. Der sitzt, wie Sie, zu Hause und liest sich selbst etwas vor.

Dafür hat die fb-Seite der „Stadt Spenge – Kultur und Stadtmarketing“ einen kleinen Auszug, einen Tucholsky-Schnipsel von mir online gestellt. (Danke dafür an Spenge und die Bücherei.)

Das Thema der Nacht der Bibliotheken ist „Einmischen“. Und Tucholsky hat sich eingemischt und würde es auch heute noch tun. Aber dazu dann später wieder mehr … live, ohne Virus, mit Publikum und Live-Einmischung meinerseits.

Wenn ich körperlich auch nicht anwesend sein werde, geistig bin ich bei Ihnen, ohne den Mut und die Hoffnung aufzugeben. Es kommen bessere Tage.

Einen herzlichen Gruß,
Ihr Michael Helm

Brache

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh