Michael Helm

Die Prozedur

Neue Erzählung im aktuellen Literaturmagazin Tentakel

Die aktuelle Tentakel hat eine neue Erzählung von mir veröffentlicht. „Die Prozedur“ entstand 2019. Das ist relevant, weil sich die Geschichte wie ein Kommentar zur momentanen Situation liest. Kann man so lesen, muss man aber nicht.

Tentakel – Literaturmagazin
Literatur aus OWL 2_2020
3,50 € (auch als Abo beziehbar)
Infos & Kontakt

Eine kleine moralische Geschichte

Freitags auf dem Block

Er dachte sofort an Uroma Adele. Das Café war nicht gut besucht; nur wenige Leute. Die winzige, im Nacken gebeugte, alte Frau mit ihren weißgrauen Haaren saß vor ihm, ein paar Tische entfernt, hinter dem Zweig eines Ficus. Sie hatte sich gerade auf ihrem Schoß eine Papierserviette zurechtgelegt. Er sah, wie sie erst verstohlen nach rechts, dann wieder nach links spähte, als sie die restlichen zwei braunen Zuckerwürfel in ihr Tuch wickelte; wie das Päckchen dann heimlich unter dem Tisch in ihrer Handtasche verschwand. Sie schaute sich um. Er duckte sich hinter den Ficus. Sie war es gewohnt, dass man sie heimlich beäugte. Er aber dachte sofort an Uroma Adele. Es war schon einige Zeit nach jenen knappen Jahren gewesen, dass sie ihm und Paulchen immer noch ein Stückchen Zucker zugesteckt hatte. Der süße Geschmack auf der Zunge kam ihm auf einmal wie der Gedanke: ungefragt, leise, und durch die Hintertür. 

Michael Helm

Das maßlose Schweigen der Lebenden …

Das Feuerzeug – Eine Erzählung zum Anhören

(…) Das Rauschen des vorbeiströmenden Verkehrs. Ein Atmen. Geräusche… Geräusche… Geräusche… 

Darunter eines, das kaum aufgefallen wäre, wenn es nicht irgendwie anders gewesen, aus dem Rahmen gefallen, wäre. Wenn dabei nicht ein Stuhl hingefallen wäre. Wären da nicht die Köpfe am Tresen gewesen, die plötzlich in eine Richtung starrten – Verwirrung, Ärger, Verachtung, auch Mitleid – während der Barmann seine Gläser spülte. Wenn da nicht eine Unregelmäßigkeit gewesen wäre, die ich sofort spürte, die alle spürten, auch wenn immer noch die Rufe aus der Küche, die Automaten, die Schritte im Flur, das Licht an der Decke… …wurde es ruhiger. Ein wenig, dann mehr. 

Stille.

Das maßlose Schweigen der Lebenden. (…)

Das Feuerzeug | Erzählung von Michael Helm | gelesen vom Autor

Denkmal

Ich wunderte mich, den Mann hier zu treffen. Er saß auf einer Bank und starrte über die Straße hinüber zum Bolschoi-Theater. Ich erkannte ihn an seinem rauschenden Bart. Meines Wissens hatte er die Stadt nie besucht. Ich grüßte und setzte mich neben ihn. Er war sichtlich erfreut, einen Landsmann zu sprechen. Ich fragte ihn nach seinem sonderbaren Hiersein und er lächelte bescheiden. Hier erkennt mich niemand, sagte er. Selbst wenn ich täglich unter diesem Denkmal Platz nehme. Er wies nach oben, auf sein ebengebildetes Monumentalgesicht. Schlecht getroffen, finden Sie nicht, flüsterte er. Wir schauten hinüber zum Theater, wo Menschen in sündhaften Kleidern und teuren Anzügen Selfis machten. Er betrachtete das alles eher gleichgültig. Sie beschäftigen sich nur noch mit sich selbst, sagte ich, seinem Blick folgend und wartete auf seinen bedeutenden Kommentar. Doch er schwieg. Um uns herum gingen die Lichter an und wir verbrachten eine angenehme Stunde auf der Bank. Wir schwiegen. Dann erhob er sich langsam und sagte: Danke schön. Ich muss los. Es war aber schön, einmal wieder mit einem Menschen zu schweigen, der meine Sprache spricht. Er zwinkerte mir zu. Aus Altersgründen konnte er nicht mehr richtig gehen. Also sah ich Karl Marx langsam die stark befahrene Straße hinunterhumpeln. 

Michael Helm

Denkmal | Michael Helm | gelesen vom Autor

Adeles Lachen

Eine Erzählung von Michael Helm, gelesen vom Autor

Michael Helm„Ich erinnere mich; ein angenehmer Duft von Kaffee zog immer durch das kleine Wohnzimmers und Adele lächelte. Sie lächelte ihr mädchenhaft verschmitztes Lächeln, wenn sie von früher erzählte. Den frischen Kaffee hatte sie selbst gebrüht, auf ihrem kleinen Zweiplattengaskocher… .“

mh

Eine kleine moralische Geschichte

Er dachte sofort an Uroma Adele. Das Café war nicht gut besucht; nur wenige Leute. Die winzige, im Nacken gebeugte alte Frau mit ihren weißgrauen Haaren saß vor ihm, ein paar Tische entfernt, hinter dem Zweig eines Ficus. Sie hatte sich auf ihrem Schoß eine Papierserviette zurechtgelegt. Er sah wie sie erst verstohlen nach rechts, dann wieder nach links spähte, als sie die restlichen zwei braunen Zuckerwürfel in ihr Tuch wickelte, wie das Päckchen dann heimlich unter dem Tisch in ihrer Handtasche verschwand. (more…)

Ganz normaler Wahnsinn!

Ich liebe die Vorweihnachtszeit! Ich liebe es, jetzt in Dortmund einzukaufen, möglichst am Heimspielsamstag!! Geschenke kauft man doch rechtzeitig, wie vernünftig!!! (Kluger Psychiater!) Das bringt einen doch um den Verstand oder nicht!!!!

Wer das alles lieber im Pendragon Blog nachlesen möchte: Meine Erzählung 7867 ist dort seit heute online. Viel Freude und einen gepflegten Irrsinn. Pendragon Blog»

mh

Aus dem Block …

Neu! Lesung in Gütersloh

Ich freue mich, im November das erste Mal in der Stadtbibliothek in Gütersloh zu lesen. Mit Morgennatz & Ringelstern wird es um zwei herausragende Wortakrobaten des skurrilen und verdrehten Humors gehen. Mehr dazu gibt es unter Lesungen.

Überhaupt ist es doch schön, wieder solche Ankündigungen wagen zu können.

mh

Nächste Lesung zu George Sand

Die nächste Lesung in Spenge widme ich der französischen Schriftstellerin George Sand und ihrem wohl bekanntesten Buch „Ein Winter auf Mallorca“.

22.09.21 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge | Weitere Infos