Michael Helm

Warum dieser Ton ihn so glücklich macht …

»Geh nach Hause. Leg´ deine Beine hoch. Und verdammt noch mal… entspanne dich!« Gut, das hatte sie getan, aber die Akten stapeln sich noch immer in ihrem Kopf, die Termine verwirren sich in den Gedanken, das Lärmen, das Zappeln des Alltags lässt sie nicht los. Sie liegt auf der Couch, drückt irgendeinen Knopf auf der Fernbedienung der Hi-Fi-Anlage in der Hoffnung auf Überlagerung. Keine Ahnung, was da kommt; kein Schimmer, was da läuft, aber dann auf einmal das Frösteln, die Stille. André. Sein weicher Pullover, das Seidentuch, der Duft von Jasmin. Der einzelne Klang einer Triangel. In dem Musikstück, das da irgendwo läuft, erklingt dieser Ton ein einziges Mal. Ihr eilen Bilder entgegen: die Mandoline, das Sofa. André auf dem Sofa; sie beide beisammen. Eine Berührung, ein Duft, ein Triangelton… und in all diesen fast vergessenen Stunden erzählt und erzählt ihr André die Geschichte, warum dieser Ton ihn so glücklich macht…

mh

Eine kleine moralische Geschichte

Er dachte sofort an Uroma Adele. Das Café war nicht gut besucht; nur wenige Leute. Die winzige, im Nacken gebeugte alte Frau mit ihren weißgrauen Haaren saß vor ihm, ein paar Tische entfernt, hinter dem Zweig eines Ficus. Sie hatte sich auf ihrem Schoß eine Papierserviette zurechtgelegt. Er sah wie sie erst verstohlen nach rechts, dann wieder nach links spähte, als sie die restlichen zwei braunen Zuckerwürfel in ihr Tuch wickelte, wie das Päckchen dann heimlich unter dem Tisch in ihrer Handtasche verschwand. (more…)

Aus dem Block …

Nacht der Bibliotheken

Heute ist die „Nacht der Bibliotheken“, auch in Spenge. Ich hätte dort heute Abend Kurt Tucholsky gelesen. In C-Zeiten natürlich nicht live.

Dabei hatte ich im Dezember noch gehofft: Im März könnte doch wieder etwas gehen, vielleicht im kleinen Rahmen, vielleicht mit wenig Publikum, hinter Masken und Plexiglaswänden, oder doch ohne Gäste? Jetzt findet die Lesung auch ohne Rezitator statt. Der sitzt, wie Sie, zu Hause und liest sich selbst etwas vor.

Dafür hat die fb-Seite der „Stadt Spenge – Kultur und Stadtmarketing“ einen kleinen Auszug, einen Tucholsky-Schnipsel von mir online gestellt. (Danke dafür an Spenge und die Bücherei.)

Das Thema der Nacht der Bibliotheken ist „Einmischen“. Und Tucholsky hat sich eingemischt und würde es auch heute noch tun. Aber dazu dann später wieder mehr … live, ohne Virus, mit Publikum und Live-Einmischung meinerseits.

Wenn ich körperlich auch nicht anwesend sein werde, geistig bin ich bei Ihnen, ohne den Mut und die Hoffnung aufzugeben. Es kommen bessere Tage.

Einen herzlichen Gruß,
Ihr Michael Helm

Brache

Freitags auf dem Block

brachliegendes land
industriebrache industriekultur museum

sitze seit monaten allein
im museum meiner literatur 
literaturbrache 
sprache bis auf weiteres geschlossen

mh