Michael Helm

Heute hätte Hans Christian Andersen Geburtstag

Heute ist der Internationale Kinder- und Jugendbuchtag. Und er findet nicht zufällig heute statt. Denn am 02. April hat einer der weltweit bekanntesten Märchendichter seinen Geburtstag gefeiert. Am 02.04.1805 wurde Hans Christian Andersen geboren. Den Aktionstag gibt es bereits seit 1967. Er soll die Freude am Lesen fördern. Wer nicht schon als Kind Spaß am Lesen hatte, findet diese als Erwachsener nur noch selten.

Zu diesem doppelten Anlass heute ein Hörschnipsel, ein eher unbekanntes Märchen des großen dänischen Schriftstellers.

Hans Christian Andersen | Der Kobold und der Höker | Gelesen von Michael Helm

Hans Christian Andersen wurde am 02.04.1805 in Odense geboren und starb am 04.08.1875 in Kopenhagen. Andersen ist einer der bekanntesten Schriftsteller Dänemarks. Im Hafen Kopenhagens erinnert eine Bronzeskulptur der Kleinen Meerjungfrau an sein gleichnamiges Märchen.

Berühmt wurden viele seiner Märchen wie u.a. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, Des Kaisers neue Kleider oder Die Schneekönigin. Auch in Theater, Film und Fernsehen sind seine Märchenerzählungen bis heute ein beliebter Stoff.

mh

Aus dem Block …

vorbei

ich kann sie drehen und wenden
ich finde meine komfortable ansicht
der dinge nicht wieder

Jon Fosse – Melancholie

Ende des 19. Jahrhunderts: Der norwegische Maler Lars Hertervig studiert in Düsseldorf Landschaftsmalerei. Er hat sich ein kleines Zimmer gemietet und verliebt sich in Helene, die fünfzehnjährige Tochter seiner Vermieter. Dieses nicht einmal richtig entflammte Verhältnis findet die Ungnade der Familie. Lars soll die Wohnung verlassen. Das Scheitern der Beziehung scheint Lars Hertervig verrückt werden zu lassen.

Was auf der inhaltlichen Ebene einfach erscheinen mag, nimmt sich in Hertervigs Denken anders aus. Denn von Anfang an ist seine Sicht der Dinge „anders“. Gedanke um Gedanke kreist in seinem Kopf, wiederholt sich, ordnet sich scheinbar neu. Niemals kommt sein Denken zu einem Abschluss. Der Geisteszustand Hertervigs grenzt an Verwirrung und seine Gedanken verwirren sich mehr und mehr durch die ihn befremdenden Erlebnisse. Sind seine Gedanken wahnhaft, Verfolgungsfantasien oder der Ausdruck seiner Realität?

Dies lässt Jon Fosse in seinem Roman „Melancholie“ offen. Er betrachtet das Geschehen aus der Sicht Hertervigs. Er versteht es in einer ausgefeilten, dem Denken dieses Menschen entsprechenden, einfachen Sprache, die subjektive Welt Hertervigs darzustellen. Das ist faszinierend und schwer zu lesen zugleich, denn die unendlichen Gedankenketten Hertervigs wälzen sich über etliche Seiten dahin. Wie einprägsam Fosses Sprache ist, stellte ich fest, als ich das Buch fortlegte. Die ewigen Wiederholungen und Wortketten begannen, von meinem Denken Besitz zu ergreifen, wie musikalische Ohrwürmer. Fast suggestiv haben sie sich in den Kopf eingeschlichen und es brauchte Zeit und Ablenkung, um sich wieder aus dieser zirkulären Gedankenwelt Hertervigs zu befreien.

Jon Fosse hat für das Denken eine Sprache geschaffen, in der Existenzielles einen einfachen Ausdruck findet. In dem, was sich zwischen den Gedankenketten auftut, rührt er an der Grenze des Unbewussten.

Mit der Geschichte Lars Hertervigs ist der Roman nicht zu Ende. Zwei weitere Erzählungen setzen an die Hertervig-Geschichte an, die sich wie die folgenden Akte eines Theaterstücks ausmachen. Generationen später werden Personen betrachtet, die mit Hertervig in familiärer Beziehung standen. Auch in diesen Erzählungen ist es der faszinierende Stil Fosses, der einen in seinen Bann zieht.