Michael Helm

Milena Jesenská – „Ich hätte zu antworten …“

02.10.2021 | 19:30 – 21:30 Uhr

Ort: Stadtbücherei Spenge | Poststraße 6a | 32139 Spenge | Deutschland

Eintritt: 6,- €


— Die Lesung im Bürgerzentrum beginnt um 19.30 Uhr. Wegen der aktuellen Situation werden die Gäste gebeten, sich kurz vor der Lesung nochmals über das Stattfinden der Veranstaltung zu erkundigen. Infos gibt es in der Bücherei telefonisch unter 05225 6322 oder auf der Webseite (http://www.spenge.de/buecherei). —

Aus dem Leben und Werk der Milena Jesenská

 

Sie war Schriftstellerin. Sie war Journalistin. Und sie übersetzte deutsche Literatur ins Tschechische. Milena Jesenská war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Die schnell skizzierten Daten ihres Lebens offenbaren das schnell: 

Geboren 1896 in Prag, studiert sie erst Medizin, bricht ab und lernt in der Prager deutsch-jüdischen Gesellschaft (den Kafka-Herausgeber und -Freund) Max Brod und den Literaten Franz Werfel kennen. Wegen einer Liebesbeziehung zu Ernst Polak liefert ihr Vater sie bis zur Volljährigkeit mit 21 Jahren in eine psychiatrische Klinik ein. Als sie die Klinik verlassen kann, geht sie mit ihrem zukünftigen Mann nach Wien und arbeitet als Journalistin und Übersetzerin.

1919 übersetzt sie Franz Kafkas Erzählung Der Heizer und weitere seiner Erzählungen ins Tschechische. Daraus ergibt sich ein umfangreicher Briefwechsel mit Kafka, der die sich entwickelnde Liebesbeziehung jedoch schnell wieder beendet. Der freundschaftliche Kontakt der beiden bleibt jedoch bis zu Kafkas Tod bestehen. Am Ende übergibt Kafka ihr sogar einige seiner Tagebücher. 

Kurz ist sie Mitglied der Kommunistischen Partei, wird aber wegen kritischer Äußerungen zum Stalinismus wieder ausgeschlossen. 1939 schließt sie sich dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten an, organisiert die Flucht von jüdischen und nichtjüdischen Emigranten und hilft anderen unterzutauchen. Von der Gestapo verhaftet, kommt Milena Jesenská zur „Umerziehung“ in das Konzentrationslager Ravensbrück. 1944 stirbt sie dort mit nur 47 Jahren in der Haft.

Michael Helm beleuchtet mit dieser Lesung das außergewöhnliche Leben dieser Frau und ihr publizistisches Werk. Er liest aus ihren Briefen und den Reportagen einer Frau, die engagiert ihre Stimme erhob. „Ich hätte zu antworten, tage- und nächtelang“, hat sie einmal gesagt und dies ist auch das Motto dieses besonderen Abends.