Michael Helm

Ab durch die Mitte

Eine literarische Wanderung quer durch Deutschland
1800 Kilometer, 6 Bundesländer, Städte, Landschaften und Menschen

Begleiten Sie Michael Helm von Duisburg bis Dresden, vom Rhein bis an die Elbe.
Kennen sie Essen? Natürlich kennen sie die Ruhrgebietsstadt! Kennen Sie auch die Donareiche Fritzlars, die Ruine der romanischen Basilika in Bad Hersfeld, Luthers Wartburg, Goethes Ilmenau, Schillers Gartenhaus in Jena, die Merseburger Zaubersprüche oder die deutschen Dolomiten – die Sächsische Schweiz – den Ausblick von der Feste Königstein? Sie merken, jetzt muss ich mich bremsen, denn mir fallen noch hundert tolle Flecken ein, die ich – einmal quer durch Deutschland – durchwandert habe. Aus Erlebnissen wurden Reiseskizzen, aus diesen Miniaturen, Erzählungen, die ich Ihnen vorlesen werde. Hinzukommen Texte von Schriftstellern, Künstlern, Musikern, auf deren Spuren ich wanderte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Anfang war die Idee, ein Spleen. Das alles scheint unmöglich! Allein die Vorstellung: quer durch Deutschland, 1800 km zu Fuß, durch 5 Bundesländer; die vielen Orte, Landschaften, Menschen. Dann tut man es, Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer …; und überrascht sich selbst. Kein Gedanke eines Spleens – nur Neugier!

In Duisburg ging es los: rauf auf den Kahlen Asten, dann durch pittoreske, mittelalterliche Städte, über den Thüringer Wald, an den Ufern der Ilm, durch den romantischen Harz, an den Wassern der Saale, über das Erzgebirge, ja kreuz und quer durch die Sächsische Schweiz zur Elbe und endlich auf der anderen Seite Deutschlands nach Dresden, einfach: Ab durch die Mitte.

Überall liegen Geschichten auf dem Wanderweg. Ein Malocher wird Weltkulturerbe, ein Taxifahrer rettet uns vor dem Verhungern, ein Busfahrer vor dem Verirren im finstren deutschen Märchenwald. Ein älterer Herr erzählt begeistert von Schillers „Don Carlos“, und wie er ihn in seinem Gartenhaus geschrieben, als wäre Schiller mal eben bei der Familie Körner zum Mittagstisch. Überall finde ich Orte, an denen Goethe gewesen – wo war der eigentlich nicht?

Und dann finde ich mich auf den Spuren des Junkers Jörg. Hier auf der Wartburg übertrug er die Bibel ins Deutsche, dieser Luther? Johann Sebastian Bach, Heinrich Heine, Konrad Duden, Georg Friedrich Lichtenberg, althochdeutsche Zaubersprüche – ein uraltes Zeugnis unserer Sprache – Märchen, alte Sagen, sie alle liegen wie eine Reihe von Brotkrumen auf dem Wege. Ich musste sie nur auflesen.

Und schließlich überschreite ich eine Grenze. Nicht nur die eigene, sondern eine scheinbar handfeste, historische, mitten in Deutschland. Ich vernehme die Schicksale hüben wie drüben, höre, wie nur langsam zusammenwächst, was einst getrennt gewesen war. Menschen erzählen mir ihre persönliche deutsch-deutsche Geschichte.

Stehenbleiben, zuhören, betrachten. Nur mit einem Rad weiterzureisen, käme mir zu schnell vor. Zeit haben, gehen, Schritt für Schritt, um nachzudenken, um zu begreifen. Wandern bedeutet, mit den eigenen Gedanken viel Zeit zu verbringen.

Nehmen Sie sich einen Sonntagmorgen Zeit, um mit mir zu wandern. Ab durch die Mitte, und mit all den Gedanken der Autoren, die schon vor mir hier unterwegs waren: in der Mitte Deutschlands.

Dauer: ca. 2 x 50 Minuten