Michael Helm

Am Samstag in Spenge: Die Judenbuche

vom 22. Januar 2020

Die Judenbuche | 25.01.2020 | 19.30 Uhr | Stadtbücherei Spenge

Der Stoff könnte aktueller nicht sein. Das Buch ist ein wichtiges Stück Literatur über die Verfestigung von Vorurteilen in einer Gesellschaft. Es ist ein Sittengemälde des damaligen Westfalen, so nannte es Annette von Droste-Hülshoff selber. Liest man es heutzutage, wird einem klar, dass sich an den Mechanismen der Ausgrenzung nicht viel geändert hat. Das ist schon erschreckend.

Nach der Lesung im Gerbereimuseum Enger im vergangenen Herbst, bei der es um Leben und Lyrik der nordrhein-westfälischen Dichterin ging, ist dies die zweite Lesung zur Droste in meinem Programm. Der Abend in Spenge handelt von ihrer wichtigsten Prosadichtung.

Die Geschichte ist ziemlich spannend. Wären alle Erzählungen, die von einem Mord handeln, Krimis, dann könnte man „Die Judenbuche“ wohl als einen solchen bezeichnen. Friedrich Mergel, die Hauptfigur, wäre dann ein Täter. Durch Herkunft und Milieu beschädigt und durch falsche Leitbilder geprägt, verliert er seine Identität und wird zum Mörder am Juden Aaron. Es ist damit nicht zu viel verraten, denn die Judenbuche ist kein Krimi, sondern eine der bekanntesten deutschen Novellen.

Wie kann Mergel mit der unentdeckten Täterschaft leben? Dies ist eine entscheidende Frage der Novelle. Neben der spannenden Handlung entwirft Annette von Droste-Hülshoff eine soziale Analyse der ländlichen Gesellschaft ihrer Zeit, worin sie die Fragen nach Schuld und Sühne eines Menschen aufwirft.

mh

Informationen zur Lesung in Spenge finden Sie hier: Link.

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